Flüchtlinge aus Syrien: "Fast jeder gibt vor, Syrer zu sein"

Berlin - Ein erheblicher Teil der Flüchtlinge, die über Ungarn und Österreich nach Deutschland kommen und sich als Syrer ausgeben, stammen nach Angaben von Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) nicht aus dem Bürgerkriegsland. „Mindestens ein Viertel der angeblich aus Syrien kommenden Flüchtlinge stammt nicht aus Syrien, sondern aus anderen arabischen oder afrikanischen Ländern“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister den im RedaktionsNetzwerk Deutschland zusammengeschlossenen Tageszeitungen.

Ähnlich äußerte sich der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt. „Fast ausnahmslos jeder Flüchtling gibt vor, Syrer zu sein“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk. Tatsächlich kämen viele „aus allen möglichen Ländern, selbst aus Schwarzafrika“. Falsche Identitätsangaben seien „an der Tagesordnung“. Wer Geld habe, lege gefälschte Pässe vor. Andere gäben an, keine Ausweispapiere mehr zu besitzen.

Die syrische Gemeinde in Deutschland befürchtet deshalb Nachteile. „Wir beobachten mit Sorge, dass sich zunehmend Nichtsyrer als Syrer ausgeben, um einen Aufenthaltstitel in Deutschland zu erlangen. Diese Entwicklung ist sehr zum Nachteil der schutzbedürftigen Syrer“, sagte Bassam Abdullah vom Berliner Büro der oppositionellen Syrischen Nationalen Koalition dem RedaktionsNetzwerk.

Wer belegen kann, dass er aus Syrien geflohen ist, hat in Deutschland gute Aussichten auf Asyl. Zu Warnungen, dass sich womöglich Aktivisten der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) unter die Flüchtlinge mischen könnten, sagte Caffier: „Dem Bundesnachrichtendienst und befreundeten Diensten liegen Hinweise darüber vor, dass sich unter den Flüchtlingen auch Salafisten und potenzielle Gefährder befinden.“ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte die Wiedereinführung von Grenzkontrollen am Sonntag auch mit „Sicherheitsgründen“ gerechtfertigt. (afp)