Ein Kind im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. 
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BerlinBundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat erneut an die EU appelliert, die katastrophalen humanitären Zustände im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos endlich zu beenden. Angesichts der Corona-Krise sei dabei große Eile geboten.

„Die brutalen Misstände müssen beseitigt werden, bevor es zur Katastrophe kommt“, sagte Müller nach einer Videokonferenz des EU-Entwicklungshilferates. „Bevor das Virus wütet. Wenn es morgen in Moria ausbricht, wird es Hunderte von Toten fordern.“ 

Erbärmlichste Zustände

Er habe von der EU-Kommission vehement eingefordert, das Flüchtlingscamp umzustrukturieren und dort mindestens UNHCR-Standards zu schaffen, sagte der Minister. Es gebe in keinem Lager einer Krisenregion derart erbärmliche Zustände wie in Moria. „Das Lager ist ein Schandfleck für Europa." 

Seit Monaten streiten die EU-Staaten über die Aufnahem von Flüchtlingen aus Moria. Flüchtlingsorganisationen und NGOs wie Ärzte ohne Grenzen prangern schon lange die katastrophalen Zustände in dem Lager an, das Platz für 3000 Menschen vorsieht. Inzwischen leben dort rund 20.000, nach Angaben des Ministers sind darunter mindestens 10.000 Kinder. Die hygienischen Verhältnisse sind verheerend, viele Menschen hausen in Zelten, es gibt weder genügend Toiletten noch ausreichend Waschgelegenheiten. 

„Wir diskutieren lange genug“

Nach langen Hin und Her hatte das Bundeskabinett beschlossen, 50 unbegleitete Kinder und Jugendliche nach Deutschland zu bringen. Auch zehn weitere EU-Staaten hatten sich zur Aufnahme von unbegleiteten Flüchtlingen bereiterklärt. 

Angesichts der Notlage vieler Tausend Menschen sei es aber nicht damit getan, 1000 oder 1500 Kinder oder Familien in andere Länder umzusiedeln, sagte Müller. Es müsse dringend vor Ort etwas geschehen. „Wir diskutieren schon lange genug, sagte der Minister. „Wir können jetzt nicht noch Monate weiterdiskutieren.