Flüchtlinge: Schleuser verdienen trotz geschlossener Balkanroute weiter gut

Athen - Diplomaten in Athen sind voll des Lobes: Nach der Sperrung der Balkanroute sei die Zahl der Migranten und Flüchtlinge, die auf diesem Weg nach Mitteleuropa zu gelangen versuchen, schlagartig zurückgegangen. Im Januar 2016 kamen knapp 67.500 Migranten und Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland und reisten danach nach Mitteleuropa weiter. Ein Jahr später - im Januar 2017 - waren es gerade einmal 1393. Die meisten von ihnen sitzen zusammen mit weiteren rund 61.000 Menschen in Flüchtlingslagern auf den Inseln und dem griechischen Festland fest.

Dennoch: Die Schlepper machen auch jetzt noch Geschäfte. Sie haben nämlich umgestellt: „Ich kenne einen geheimen Weg“, sagen sie den Migranten und verdienen weiter auf Kosten der verzweifelten Menschen.

Auf Lesbos festgehalten

Am schlimmsten dran sind die Migranten, die auf den griechischen Inseln festsitzen. Seit April 2016 gelten für sie die Bestimmungen des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes vom März 2016. Wer aus der Türkei zu den griechischen Inseln im Osten der Ägäis übersetzt, muss dort solange bleiben, bis die Asylrichter entschieden haben. Wer kein Asyl bekommt, soll zurück in die Türkei geschickt werden. Bislang wurden auf Grund dieses Paktes knapp 900 Menschen zurückgeschickt.

Der türkische Staat und sein Präsident Recep Tayyip Erdogan halten den Pakt mit der EU ein. Dafür sollen stufenweise mehr als drei Milliarden Euro aus EU-Kassen nach Ankara fließen.

Die Asylverfahren in Griechenland ziehen sich wegen Personalmangels in die Länge; bislang hat die EU nur einen Bruchteil der versprochenen rund 400 Asylrichter geschickt. Das Ergebnis: Streitigkeiten, Schlägereien und Randale in und rund um die sogenannten Hotspots, die Registrierzentren der Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos.

Schlimme Zustände für griechische Küstenwache

„Auf den Inseln ist die Lage schlimm. Nach sechs Jahren habe ich meine Versetzung beantragt“, sagt ein Offizier der Küstenwache. Er habe tote Kinder gesehen. „Nachts wache ich manchmal schweißgebadet auf“, sagt er. Schwierig ist es auch für die Asylrichter. Viele Flüchtlinge stellen ihnen die Frage: „Würden Sie mit Ihrer Familie heute in die Türkei gehen?“

Etwas besser ist die Lage auf dem Festland. Die Menschen müssen nicht befürchten, zurückgeschickt zu werden. Rosig ist ihre Zukunft in dem von der Pleite bedrohten Griechenland nicht. Der Staat hat wenig Mittel, ihnen zu helfen. Rassistische Überfälle wie in Mitteleuropa hat es in Griechenland kaum gegeben. Hier und dort protestieren Rechtsextremisten gegen die „Migrationswelle“, sagt ein Polizeisprecher. „Sonst keine nennenswerten Zwischenfälle.“