Prag - Die Markierung von Flüchtlingen mit Nummern auf den Händen hat in Tschechien empörte Reaktionen hervorgerufen. Kein Gesetz erlaube es, die Migranten auf diese Weise zu behandeln, sagte die Anwältin Zuzana Candigliota von der tschechischen Liga für Menschenrechte am Mittwoch.

Während die Kritiker sich an die Häftlingsnummern für KZ-Gefangene erinnert fühlen, verteidigten die Sicherheitsbehörden ihr Vorgehen. Die Prozedur solle verhindern, dass einzelne Familienmitglieder auf der Flucht verloren gingen. Am Dienstag hatten Polizisten 214 meist aus Syrien stammende Flüchtlinge, die in Zügen aus Österreich und Ungarn die tschechische Grenze erreichten, Nummern auf ihre Hände geschrieben.

Markierung zur Identifikation

Das Innenministerium in Prag erklärte, so solle sichergestellt werden, „dass keine Kinder verloren gehen“. Auch Polizeisprecherin Katerina Rendlova betonte, dass die Markierungen der Identifizierung von Familien dienten. Zudem werde die Zugnummer notiert, „damit wir wissen, in welches Land wir sie gegebenenfalls zurückschicken müssen“. Im Gegensatz zu anderen EU-Staaten beharrt die Regierung in Prag auf den Regeln des Dublin-Verfahrens, wonach die Flüchtlinge in die jeweiligen Ankunftsländer in der EU zurückgeschickt werden müssen.

Zuvor seien den Flüchtlingen in Tschechien Zettel mit Nummern ausgehändigt worden, diese seien aber oftmals weggeworfen worden, sagte Polizeisprecherin Rendlova. „Sie haben die Markierungen akzeptiert, sie haben kein Problem damit, weil sie wissen, dass es in ihrem Interesse ist.“ Menschenrechtsanwältin Candigliota zweifelte diese Angaben jedoch an: „Ich denke, sie haben es akzeptiert, weil sie glauben, die Polizei habe das Recht dazu.“

Auch der Prager Jurist Marek Dufek kritisierte das Vorgehen der Behörden. „Ich weiß, dass die Lage schwierig ist, weil die Flüchtlinge keine Ausweise haben, aber aus rechtlicher Sicht ist das nicht in Ordnung.“ (afp)