Trümmer eines Flugzeugs nach einem Flugzeugabsturz am Rande von Teheran. Eine ukrainische Passagiermaschine ist in der Nähe des Imam-Chomeini-Flughafens der iranischen Hauptstadt Teheran abgestürzt.
Foto: dpa/Mahmoud Hosseini

BerlinDer Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg bezweifelt die offizielle Darstellung Teherans, der Absturz der ukrainischen Passagierflugzeuges im Iran sei auf einen technischen Defekt zurückzuführen. „Die Erfahrung lehrt, dass vorschnelle Einschätzungen oft daneben liegen. Wir sollten die ersten offiziellen Untersuchungsergebnisse abwarten, die laut internationalen Vereinbarungen in 30 Tagen vorliegen müssen“, sagte Schellenberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag).

Laut Schellenberg fehlen zurzeit aussagekräftige Bilder von Wrackteilen, die Auskunft über die Art der Deformation geben könnten. Nur daran sei erkennbar, wie das Flugzeug Feuer gefangen hat und ob es möglicherweise von außen beschossen wurde.

Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 gelten als zuverlässig

Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 zählen laut Schellenberg zu den weltweit zuverlässigsten. „Die Unglücksmaschine muss in einem korrekten Grundzustand gewesen sein. Sie war kurz zuvor in Paris, Mailand und London. Die technischen Vorschriften für einen Eintritt in den EU-Luftraum sind streng“, sagte Schellenberg.

Russischen Medien zufolge war die Maschine von Ukraine International Airlines auf dem Weg von Teheran nach Kiew und stürzte kurz nach dem Abflug ab.

Die Bundesregierung setzt unterdessen auf eine Aufklärung der Ursachen für den Flugzeugabsturz im Iran. Eigene Erkenntnisse dazu habe man aktuell nicht, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Spekulationen darüber verböten sich. Nötig sei eine genaue Untersuchung durch die iranischen Stellen, diese sei nun abzuwarten. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass auch der Iran größtes Interesse daran habe, die Ursache so rasch wie möglich und vollumfänglich zu ermitteln.

Flugzeugabsturz im Iran: Mehr als 170 Tote

Eine ukrainische Passagiermaschine ist am Mittwochmorgen in der Nähe des Imam-Chomeini-Flughafens der iranischen Hauptstadt Teheran abgestürzt. Nach Angaben der Hilfsorganisation iranischer Halbmond kamen alle Insassen ums Leben.

Laut ukrainischen Angaben saßen   176 Menschen in der Boeing 737. Nach Angaben des Außenministeriums in Kiew stammten die Opfer aus sieben verschiedenen Ländern - überwiegend Iraner und Kanadier. Die Behörden in der Ukraine kündigten an, die Passagierliste zu veröffentlichen.  

Auswärtiges Amt: Keine Deutschen unter Todesopfern

Zunächst hieß es, es seien auch drei  Deutsche unter den Opfern. Dem wurde am Nachmittag vom Auswärtigen Amt widersprochen. „Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen sich deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Iran befinden“, hieß es am Mittwoch aus dem Auswärtigen Amt.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA untersagte unterdessen Airlines aus ihrer Heimat, überhaupt noch über Irak, Iran, den Persischen Golf und den Golf von Oman zu fliegen. Auch europäische Fluggesellschaften mieden am Mittwoch zunächst den Luftraum und strichen Flüge nach Teheran.  Die Route ist allerdings zentral für die Verbindungen von Europa nach Indien  und Australien.

Lufthansa fliegt ab Donnerstag wieder nach Teheran

Lufthansa will ihre Flüge in die iranische Hauptstadt Teheran an diesem Donnerstag (9.1.) wieder aufnehmen. Der Anflug auf die Stadt sei sicher, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Mittwoch in Frankfurt. Den entsprechenden Flug am Mittwoch hatte die Fluggesellschaft nach den iranischen Raketenangriffen auf Militärstützpunkte im Irak vorsorglich gestrichen. Weiterhin werde aber „auf Tagesbasis über die Durchführung der Flüge sowie deren Organisation“ entschieden.

Die französische Fluggesellschaft Air France stoppte als „Vorsichtsmaßnahme“ bis auf weiteres Überflüge über den Iran und den Irak, ebenso die Schwestergesellschaft KLM aus den Niederlanden. Die polnische LOT hatte bereits am Wochenende ihre Flüge umgeleitet, um den iranischen Luftraum zu meiden.

Emirates aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Flydubai erklärten am Mittwoch, sie hätten ihre Flüge nach Bagdad aus „operationellen Gründen“ gestrichen. Auch Qantas aus Australien, Singapore Airlines, Malaysia Airlines und die indischen Airlines Air India und Air India Express teilten mit, sie hätten ihre Flüge über der Region bis auf weiteres umgeleitet. Vietnam Airlines, ANA und JAL aus Japan sowie Cathay Pacific mit Sitz in Hongkong fliegen nach eigenen Angaben nicht über den Iran und Irak.