Trauernde vor der Amir-Kabir-Universität in Teheran. Aktuelle Proteste zeigen: Die iranische Regierung steht vor einem Glaubwürdigkeitsproblem
Foto: imago images/ZUMA Press

TeheranEs wird wohl ein Geheimnis der Staatsführung bleiben, warum sie in so kurzer Zeit so radikal den Kurs gewechselt hat. Noch am Freitag dementierte Teheran den Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine. Nicht einmal 24 Stunden später folgte das Schuldeingeständnis. Vielleicht wurde der Druck der internationale Staatengemeinschaft als sehr groß empfunden: Die Regierungschefs von drei westlichen Staaten hatten sich sehr früh weit vorgewagt – die Beweislast wäre in den nächsten Tagen und Wochen wohl erdrückend gewesen.

Lesen Sie hier: Newsblog Nahost-Krise: Raketen treffen von US-Soldaten genutzten Stützpunkt im Irak >>

Die Wahrheit über das Ende von Flug PS 752 ist erschütternd – und sie hat die Wucht, dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran eine neue Wendung zu geben. Der Abschuss des Flugzeugs ist nicht nur ein Desaster für die Militärs in Teheran, die sich fragen lassen müssen, warum sie um Himmels Willen eine Linienmaschine mit einem feindlichen Flugkörper verwechseln konnten. Die gesamte iranische Staatsführung hat nun ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil sie im Fall von PS 752 zuerst so dreist gelogen hat.

Washington plötzlich nicht mehr Meister der Fake News 

Plötzlich sitzen die Meister der Fake News nicht mehr in Washington, sondern im eigenen Land. Bislang sah es so aus, als rücke der ganze Iran gegen den Feind USA zusammen. Nun zeigen die Demonstrationen gegen die eigene Regierung tiefe Risse auch in der islamischen Republik.

US-Präsident Donald Trump hat sich am Wochenende auf die Seite der Protestbewegung gestellt – und ihr damit gleich einen Bärendienst erwiesen. Öffentliche Unterstützung aus Washington, das hat zuletzt das Beispiel Venezuela gezeigt, macht Oppositionellen das Leben nur schwerer.