Forscher hält OB-Wahl für offen

Mit Spannung wird das Ergebnis der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt zwischen SPD und AfD in Cottbus erwartet. Politikforscher Botsch sagt, welche Chance...

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ARCHIV - Lars Schieske ist AfD-Kandidat für die Wahl zum Cottbuser Oberbürgermeister. ldFrank Hammerschmidt/dpa/Archivbi

Cottbus-Die Oberbürgermeisterwahl in Cottbus zwischen SPD-Kandidat Tobias Schick und AfD-Bewerber Lars Schieske ist nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Gideon Botsch noch offen. „Eine strukturelle Mehrheit für die AfD gibt es auch und gerade in Cottbus nicht“, sagte der Professor an der Universität Potsdam der Deutschen Presse-Agentur. „Ob der sozialdemokratische Mitbewerber es aktuell schaffen wird, die strukturelle demokratische Mehrheit in Wählerstimmen zu übersetzen, ist keineswegs sicher.“

Derzeit bestehe für die AfD eine günstige, für die SPD eine sehr ungünstige Lage, sagte der Politologe, der die Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam leitet. Die demokratisch orientierte Mehrheit der ostdeutschen Wählerinnen und Wähler habe allerdings bei den letzten Wahlen immer verhindert, dass die AfD als stärkste Kraft in verantwortliche Positionen einrücke.

Am Sonntag steht die Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt an. Dabei geht es auch um die Frage, ob die AfD bundesweit den ersten Oberbürgermeister einer Stadt stellen könnte oder nicht. Beide Bewerber machten am Donnerstag im rbb-Wahltalk ihre Positionen deutlich. Am Freitag stand die Demonstration des breiten Bündnisses „Unteilbar Südbrandenburg“ für den SPD-Kandidaten Schick auf dem Programm, ebenso der Wahlkampfabschluss von AfD-Bewerber Schieske mit AfD-Landtagsfraktionschef Christoph Berndt als Gast.

Am 11. September hatte Schick 31,8 Prozent der Stimmen geholt. Schieske kam auf 26,4 Prozent. Keiner der sieben Kandidaten hatte die absolute Mehrheit erreicht. CDU, Grüne, Linke und FDP, die teils eigene Bewerber hatten, sagten Schick für die Stichwahl ihre Unterstützung zu.

Der Mittelstand wirbt ebenfalls für den SPD-Bewerber. „Die Wirtschaft hier bringt nur ein weltoffenes Klima voran. Dafür brauche es keinen Oberbürgermeister einer Partei, die ausgrenzend denkt und Angst schürt“, sagte Ralf Henkler, Leiter der Wirtschaftsregion Brandenburg Süd-Ost beim Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW), der dpa.