Das könnte die Lösung sein, um den Familienfrieden wieder herzustellen: mal eben drei Millionen Dollar bei einem Computerspiel-Wettbewerb abzocken, den Eltern versprechen, das Geld sorgsam anzulegen, und alles wäre gut.

So hat das jedenfalls der 16 Jahre alte Kyle Giersdorf am Wochenende in New York gemacht. Giersdorf ist der erste Gewinner im Einzelwettbewerb einer Fortnite-Weltmeisterschaft. In New York setzte der US-Amerikaner sich gegen 99 andere Spieler durch. Er sicherte sich den Titel und das Preisgeld von drei Millionen Dollar. Es ist angeblich das höchste Preisgeld, das ein Einzelspieler in einem einzelnen Videospiel-Wettbewerb jemals gewonnen hat. Bei der Siegerehrung war jedenfalls eine glückliche Familie zu sehen.

Computerspiel Fortnite fasziniert weltweit

Kyle Giersdorf kommentierte den Triumph mit einer Coolness, die nur Jugendliche kennen: „Emotional empfinde ich im Moment nicht wirklich viel. Ich ahne nur, dass das, was hier passiert ist, mein Leben für immer verändern wird.“ Das ist gut möglich, denn weltweit gibt es 250 Millionen registrierte Fortnite-Spieler. Giersdorfs Bekanntheit ist also riesig, vergleichbar mit der Zahl der Fans, die früher Platten von Superstars wie Elvis Presley, Michael Jackson oder Madonna gekauft haben.

Was die Spieler bei Fortnite weltweit fasziniert, ist das Erlebnis, gemeinsam oder alleine eine Mission in der tödlichen Fantasiewelt zu bestehen. Was Pädagogen daran stört: Die Spielidee ist zynisch – ein gnadenloser Kampf, bis nur noch einer lebt. Vor allem Kindern und Jugendlichen fällt es schwer, sich zu verabschieden, denn nach dem Tod geht es schnell in die nächste Runde. Wegen der Suchtgefahr wird auch von „Heroin aus der Steckdose“ gesprochen. Allerdings, das zur Beruhigung, ist die Zahl der Computerspielsüchtigen in Deutschland seit Jahren nahezu konstant.

Kyle Giersdorf als Botschafter des Gamings

Kyle Giersdorf hat schon im Alter von drei Jahren angefangen mit Computerspielen, inzwischen spielt er unter seinem Künstlernamen „Bugha“ acht bis zehn Stunden pro Tag. Er hat alles riskiert, geht nicht mehr zur Schule, Gaming ist sein Beruf. Und ist jetzt ein Jung-Star wie früher Boris Becker oder Steffi Graf. Was die Frage aufwirft: Ist das eigentlich Sport, was Giersdorf macht? Darüber streiten Funktionäre und Gelehrte. Bei der Siegerehrung in New York beeindruckte Giersdorf – mit Turnschuhen und in einen leichten schwarzen Trainingsanzug gekleidet – durch seinen professionellen und respektvollen Auftritt. Er kann der überzeugende Botschafter einer neuen Sportwelt werden.