Ein Wahlplakat zeigt Benny Gantz (l.) und Benjamin Netanjahu.
Foto: dpa/AP/Oded Balilty

JerusalemIsraels Regierungschef Benjamin Netanjahu und sein politischer Rivale, Ex-Militärchef Benny Gantz, haben bei Gesprächen über eine große Koalition deutliche Fortschritte gemacht. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Der rechtskonservative Likud-Chef Netanjahu und der Kandidat der politischen Mitte hätten in der Nacht stundenlang verhandelt, „um eine nationale Notstandsregierung zu bilden, die sich um die Corona-Krise und weitere Herausforderungen kümmern kann“. Beide Seiten teilten dies am Sonntag mit. Im Laufe des Tages werde es demnach ein weiteres Treffen geben, „mit dem Ziel, eine Vereinbarung zu unterzeichnen“.

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Nach Medienberichten ist eine Rotation im Amt des Ministerpräsidenten vorgesehen. Zuerst solle Netanjahu für eineinhalb Jahre Regierungschef werden. Im Oktober kommenden Jahres solle Gantz ihn dann ablösen. Teil der Vereinbarung sei auch ein Versprechen, dass Gantz' Partei ein Gesetz unterstützen werde, das es Netanjahu ermöglichen solle, trotz einer Korruptionsanklage als Vize-Regierungschef und Minister zu amtieren. Über die genaue Verteilung der Ministerämter gebe es noch Meinungsverschiedenheiten.

Israel wird seit 2018 von Benjamin Netanjahu verwaltet

Im Streit über den Schritt von Gantz war sein Mitte-Bündnis Blau-Weiß am Donnerstag zerbrochen. Nur die Partei von Gantz, Widerstandskraft für Israel, soll den Berichten zufolge in die künftige Regierung mit Netanjahus Likud und möglichen weiteren Parteien eintreten.

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Israel wird seit Ende 2018 von einer Übergangsregierung unter Netanjahu verwaltet. Am 2. März hatten die Bürger zum dritten Mal innerhalb eines Jahres ein neues Parlament gewählt. Dabei gab es erneut keinen klaren Sieger, Gantz erhielt aber den Auftrag zur Regierungsbildung. Netanjahu rief unter Hinweis auf die Coronavirus-Krise mehrfach zur Bildung einer Notstandsregierung auf.

Dies ist nicht die Zeit für Streit und Spaltung

Benny Gantz, Ex-Militärchef

Gantz hatte bislang eine große Koalition mit der Likud-Partei mit Netanjahu an der Spitze abgelehnt, weil dieser wegen Korruption in drei Fällen angeklagt ist. Am Donnerstag sagte Gantz jedoch bei einer Ansprache im Parlament, er werde sich mit aller Macht für die Bildung einer großen Koalition einsetzen. „Dies ist nicht die Zeit für Streit und Spaltung“, sagte er unter Hinweis auf die Corona-Krise. Kritiker werfen ihm nun vor, er habe sein zentrales Wahlkampfversprechen gebrochen.