Auf einer Militärbasis zwischen Moria und Mytilini wurde ein neues Zeltcamp errichtet, in das bereits erste Geflüchtete gezogen sind.
Foto: Ostkreuz/Sebastian Wells

MoriaZwar ist die Lage im Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos anders als die im Jahr 2015 am Bahnhof Keleti in Budapest, wo Tausende von Migranten und Flüchtlinge auf eine Gelegenheit zur Weiterreise von Ungarn nach Westeuropa oder Skandinavien warteten. Doch es gibt Parallelen. Auch als 2015 die Busse von Budapest losfuhren, um die Menschen nach Österreich und Deutschland zu bringen, war von einer einmaligen Notmaßnahme die Rede. Am Ende kamen Hunderttausende.

Ein derartiger Massenansturm ist diesmal nicht zu erwarten. Und dass jede Not einmalig und daher auch mitunter die Wiederholung von einmaligen Maßnahmen legitim oder gar notwendig sein kann, ist zumindest in Teilen der europäischen Zivilgesellschaft noch nicht ganz vergessen: Viele Deutsche wollen auch diesmal helfen. Die Mehrheit der Migranten und Flüchtlinge nennt Deutschland als Ziel ihrer Träume: Sie haben Verwandte oder Freunde, die bereits hier leben. Oder hoffen einfach auf ein Leben nach dem Lager.

Für viele hilfsbereite Deutsche klingt es paradox, aber Griechenland will die Migranten trotz der schwierigen Situation auf Lesbos nicht zum Festland bringen oder gar gruppenweise nach Deutschland schicken – jedenfalls nicht ohne positiven Asylbescheid. Es kursiert die Befürchtung, es könne sich eine Art „Moria-Taktik“ entwickeln. Harte Ansagen daher vom griechischen Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos: „Wer denkt, er könne zum Festland und dann nach Deutschland reisen, der soll es vergessen“, sagte er nach dem Brand in Moria.