Frank Ebert wird SED-Beauftragter von Berlin

Der ehemalige DDR-Dissident wird Nachfolger von Tom Sello. Unter anderem muss er sich um die Stasi-Hinterlassenschaften in Lichtenberg kümmern.

Frank Ebert
Frank EbertGerd Engelsmann

Gestatten: Frank Ebert, geboren am 18. März 1970 in Halle/Saale. 1980 zieht er mit seinen Eltern nach Berlin-Marzahn. Schon in der Schule provoziert er gern, etwa mit einem „Schwerter zu Pflugscharen“-Aufkleber. Auch weigert er sich, im Mathematikunterricht den Wurfwinkel von Stielhandgranaten zu berechnen.

Von 1986 bis 1987 wohnt er bei seiner älteren Schwester in Halle, die enge Kontakte nach Jena hatte – unter anderem zur dortigen Jungen Gemeinde. Ab 1987 macht er eine Lehre zum Werkzeugmaschinenbauer.

Ab 1988 arbeitet Ebert bei der Umwelt-Bibliothek Berlin mit, beteiligt sich an den Protesten gegen den Wahlbetrug, wird mehrmals verhaftet, organisiert die Mahnwache in der Gethsemanekirche. 1990 nimmt er im September an der Besetzung der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit teil.

Ab 1992 ist er Mitbegründer des Matthias-Domaschk-Archivs in Berlin, das Dokumente der Opposition in der DDR sammelt und die staatliche Verfolgung dokumentiert. Seitdem ist Ebert als Projektleiter in der Robert-Havemann-Gesellschaft tätig. So steht es in einer Kurzbiografie.

Senat schlägt Frank Ebert als Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vor – seine Wahl gilt als sicher

Am Dienstag bekam Frank Eberts Leben eine weitere Wendung. Der Berliner Senat schlägt den 52-Jährigen zur Wahl des Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vor. Seine Wahl durch das Abgeordnetenhaus gilt als sicher. Ebert wird Nachfolger von Tom Sello, der in den Ruhestand geht.

Sello engagiert sich seit Jahren für Ausbau und Entwicklung des Campus für Demokratie. Auf dem Gelände rund um die Stasi-Zentrale in Lichtenberg hat sich ein lebendiger Erinnerungsort etabliert. Aus Erich Mielkes Dienstsitz ist das Stasi-Museum geworden, nebenan sitzt das Archiv des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Im Hof stehen die Erinnerungstafeln der Ausstellung „Revolution und Mauerfall“ von Eberts Robert-Havemann-Gesellschaft.

Aus der Stasi-Zentrale wurde der Campus für Demokratie

Jetzt soll es weitergehen. In dem Block stehen mehrere Zehntausend Quadratmeter Bürofläche leer. Es fehlt an einem Gesamtkonzept, und die Besitzverhältnisse sind kompliziert. Auch der Bund gehört zu den Eigentümern.

So knüpfte sich einige Hoffnung an den Besuch von Kulturstaatsministerin Claudia Roth am Campus in der vorigen Woche. Drei hochkarätige Berliner Senatoren waren dabei: Daniel Wesener (Finanzen), Andreas Geisel (Stadtentwicklung), Klaus Lederer (Kultur). Ergebnis: nicht nennenswert. Ministerin Roth interessierte sich offenkundig mehr für die Freiluftausstellung als für die ungenutzten Immobilien. Genug zu tun für Frank Ebert.