Berlin - Gauck will nach eigener Aussage nicht noch einmal Bundespräsident Deutschlands sein. Könnte Steinmeier diese Rolle ausfüllen? Was unsere Autoren dazu denken:

Er kann auch Klartext

Von Steven Geyer

Der nächste Bundespräsident wird kein Schönwetterpräsident sein können: Trump, Putin, Erdogan, Brexit – viel Ego, wenig globale Zusammenarbeit, schlechte Zeiten für die liberale Demokratie. Auch hierzulande droht eine Ära des Populismus, enttäuschte Wähler wenden sich von der Politiker-Kaste und ihrem Bürokratensprech ab.

Das Problem ist nur: Es ist unmöglich, diesen beiden Gefahren für unsere liberale Demokratie mit derselben Lösung zu begegnen. Soll ein Bundespräsident so dumpfe Stärke zeigen wie Putin und Erdogan, auf  Solidarität und Menschenrechte pfeifen wie Trump und AfD? Kann er die politische Kompetenz ausstrahlen, die die Welt von Europas führender Industrienation erwartet – und zugleich volksnah reden und auf verängstigte Deutsche eingehen? Immerhin: Steinmeier hat Talent zu beidem.

Er spricht oft Politjargon, der so verschachtelt wie unverständlich sein kann. Er hat aber auch schon selbsternannte Friedensbewegte angebrüllt, sie machten es sich zu einfach. Er hat als Außenminister westliches Säbelrasseln gegenüber Russland kritisiert und den gewählten Präsidenten Trump „Hassprediger“ genannt.

Wenn es ihm gelänge, seine Haltung zu bewahren und Seriosität und Klartext in Balance zu bringen – etwas Hillary, etwas Trump – wäre er in diesen Zeiten der beste Mann für den Posten. Ein Hoffnungszeichen: Keinen anderen wünschen sich so viele Deutsche an die Staatsspitze.