Paris - Wie Macron in seiner Rede ankündigte, gelten über 65-Jährige ab Mitte Dezember nur noch dann als vollständig geimpft, wenn sie ihre Booster-Impfung nachweisen können. Konkret wird der Gesundheitspass ohne neue Impfdosis nach einem Zeitraum von sechs Monaten und fünf Wochen nach der letzten Injektion ungültig. 50- bis 64-Jährige können sich ab dem 15. Dezember einen „Booster“ abholen. Innerhalb einer Stunde nach der Rede des Präsidenten waren laut AFP 100.000 Impftermine gebucht.

Zunächst betrifft die dritte Dosis medizinisches oder medizinisch-soziales Personal, Immungeschwächte und deren Angehörige, Personen über 65 Jahre oder mit Begleiterkrankungen. Sie gilt für jene, die ihre zweite Dosis Biontech/Pfizer, Moderna oder Astrazeneca vor mehr als sechs Monaten erhalten haben. Eine Auffrischimpfung  wird auch für Personen empfohlen, die vor mehr als vier Wochen eine Einzeldosis des Janssen-Impfstoffs erhalten haben.

Der Gesundheitspass ist in Frankreich für viele Dinge mittlerweile unerlässlich. In Cafés, Restaurants, Kinos, Schwimmbädern und Zügen muss in Frankreich der Grüne Pass vorgezeigt werden. Er zeigt mithilfe eines QR-Codes an, ob jemand geimpft, genesen oder kürzlich getestet ist.

Ab Montag gilt in Frankreich außerdem wieder eine Maskenpflicht im Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler ab der Grundschule. Macron forderte die Franzosen auf, die Abstandsregeln wieder besser zu beachten.

Die Inzidenz liegt in Frankreich bei 75 Fällen auf 100.000 Einwohner in einer Woche. In Frankreich sind 75 Prozent der Bevölkerung komplett geimpft. Damit liegt Frankreich etwas vor Deutschland, wo 67 Prozent geimpft sind.

Frankreich hat den Impfdruck schon wesentlich früher erhöht als Deutschland. Bereits seit Mitte September gilt eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, vor allem Pflegeberufe. Macron hatte angekündigt, Impfverweigerer aus diesen Gruppen ohne Gehalt freizustellen. Das betraf mehrere Tausend Menschen, machte aber keine großen Schlagzeilen.

An die sechs Millionen Menschen, die in Frankreich bislang auf eine Impfung verzichtet haben, sagte Macron: „Lassen Sie sich impfen! (...) Frei zu sein, das bedeutet auch, verantwortungsvoll und solidarisch zu sein.“

Frankreich galt bis vor kurzem als ein eher zurückhaltendes Land im Hinblick auf Impfungen. Im Dezember 2020 erklärten noch 60 Prozent, sich nicht impfen lassen zu wollen. Mehrere Medizinskandale hatten zu der großen Skepsis beigetragen, unter anderem eine Hepatitis-B-Impfung in den 1990er-Jahren. Der Deutschlandfunk berichtete zu der Kampagne vor einigen Jahren, nachdem schwere Nebenwirkungen bekannt geworden waren: „Regierung und Pharmaindustrie scheuten sich damals nicht, mit zweifelhaften Informationen die Bürger zu mobilisieren.“

Der Hauptgrund, warum die Franzosen sich aktuell impfen lassen, ist laut der Nachrichtenagentur AFP finanzieller Druck: Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich seit Mitte Oktober kostenpflichtig testen lassen, um auch nur im Straßencafé zu sitzen. Die zentralistische Organisation des Landes hat die Impfkampagne wohl auch erleichtert. Zwar gibt es auch in Frankreich Impfgegner, die auf die Straße gehen. Ihre Zahl sinkt jedoch kontinuierlich. Am vergangenen Wochenende waren es landesweit nur noch 29.000.

Macron hat seine Kandidatur für ein zweites Mandat zwar noch nicht offiziell angekündigt. Aber seine TV-Ansprache war durchaus schon eine Wahlkampfrede. „Wir haben das Undenkbare geschafft! Lasst uns keine Angst haben! Glauben wir an uns“, skandierte er am Ende seiner knapp halbstündigen Rede. (BLZ, mit AFP)