Macron präsentierte sich als Landesvater, der die Schwachen stützt und die Nation eint.
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BerlinVerpasse niemals eine gute Krise – dieses Motto verfolgt Emmanuel Macron offensichtlich zurzeit. Je schwieriger eine Situation ist, desto mehr erscheint Frankreichs Präsident in seinem Element. 

In einer TV-Ansprache zum weiteren Vorgehen, in der er die Verlängerung der Ausgangssperre bis zum 11. Mai ankündigte, wechselte sein Tonfall von verständnisvoll über eindringlich bis optimistisch. Macron präsentierte sich als Landesvater, der die Schwachen stützt und die Nation eint. In den ersten drei Jahren seiner Amtszeit ist ihm das nicht gelungen.

Wie viele andere machte auch die französische Regierung beim Ausbruch der Krise Fehler. Sie ließ Kommunalwahlen durchführen, während Restaurants oder Museen bereits schließen mussten und die Ausgangssperre unmittelbar folgte. Das Ausmaß der Gefahr redete sie zunächst klein, die mangelnde Vorbereitung wurde geleugnet. All das kam heraus – und nagte am Vertrauen in die Regierung.

Wo ist die Abstimmung mit anderen EU-Ländern?

Positiv an Macrons Rede ist zu bewerten, dass er Versäumnisse einräumte, Besserung versprach, den Menschen Klarheit über das Ende der Ausgangssperre verschaffte. Auch ist eine eindeutige Unterstützung des Staates für Wirtschaft und die Schwächeren der Gesellschaft wesentlich, um die Krisenfolgen abzufedern.

Doch wie wurden die Maßnahmen mit anderen EU-Ländern abgestimmt? Stets hat Macron in seinen Reden die strategische Bedeutung der Achse Paris-Berlin explizit hervorgehoben. In dieser nicht. In der Krise ziehen sich die Partner hinter ihre nationalen Grenzen zurück. Leider gilt das auch für Macron und damit ausgerechnet für den Mann, der sich sonst so gerne als europäischer Visionär stilisiert.