Die Straßen in Paris sind leer - und das wird auch erst einmal so bleiben.
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ParisFrankreich verlängert die seit mehr als drei Wochen dauernde Ausgangssperre wegen der Coroanvirus-Pandemie nun über den 15. April hinaus. Das teilte der Elysée-Palast mit. Staatschef Emmanuel Macron wolle das Vorgehen am Ostermontag in einer Fernsehansprache erläutern, hieß es.

Zur Dauer der Ausgangssperre machte der Elysée-Palast keine Angaben. Gerechnet wird aber mit einer Verlängerung bis mindestens Ende April, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Das Präsidentenbüro erklärte, Macron werde „bis Montag zahlreiche öffentliche und private, französische, europäische und internationale Akteure konsultieren“.

Die Menschen in Frankreich sind angehalten, nur mit triftigen Gründen nach draußen zu gehen. Die Polizei kontrolliert die Umsetzung der Maßnahmen streng.

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Die strengen Ausgangsbeschränkungen im Land variieren in den verschiedenen Regionen und sogar in unterschiedlichen Stadtteilen derselben Stadt: In manchen Bereichen Nizzas darf ab 20 Uhr niemand mehr auf die Straße. Ob sich die Menschen daran halten, wird unter anderem mit Drohnen kontrolliert. Im gesamten Département Alpes-Maritimes gilt eine Ausgangssperre zwischen 22 Uhr und 5 Uhr morgens. 

Ausgangssperre in Frankreich zu Ostern verschärft

Wegen der massiven Auslastung vieler französischer Kliniken wurde die seit dem 17. März geltende Ausgangssperre zu Ostern nochmals verschärft: Im Großraum Paris sind dann tagsüber alle sportlichen Aktivitäten im Freien untersagt. Im Elsass dürfen Menschen mit Beginn der Osterferien an Karfreitag in der Regel nur noch alleine ihre Häuser verlassen, etwa für Einkäufe oder den Gang zum Arzt.

Das Grenzgebiet zu Deutschland ist wie der Pariser Großraum besonders von der Krise betroffen. Erste französische Gemeinden verhängten eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes in der Öffentlichkeit, darunter der Alpenort Val d'Isère und die Kommune Sceaux südlich von Paris. Nizza hat ebenfalls eine solche Pflicht angekündigt. Schutzmasken sind allerdings Mangelware, Frankreich hat rund zwei Milliarden Stück in China bestellt. In Cannes führten Supermärkte Fieberkontrollen für ihre Kunden ein. 

In Frankreich ging zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie die Zahl der Menschen auf Intensivstationen zurück. Wie Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon am Donnerstagabend erklärte, wurden 7066 Patienten dort behandelt, 82 weniger als am Tag zuvor. 12.228 Menschen starben bisher, davon rund ein Drittel in Alten- und Pflegeheimen. Laut der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität gibt es in Frankreich 83.080 bestätigte Corona-Fälle.

Ungarn verlängert Ausgangsbeschränkungen auf unbestimmte Zeit

Auch in anderen Ländern wurden die dort geltenden Ausgangsbeschränkungen verlängert. In Spanien gilt der Alarmzustand samt strikten Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie um weitere zwei Wochen bis Mitternacht des 25. April verlängert. Das Parlament in Madrid stimmte am Donnerstagabend dem am Wochenende von Ministerpräsident Pedro Sánchez angekündigten Antrag zu. Die knapp 47 Millionen Einwohner dürfen seit Mitte März nur noch zum Einkaufen und in Ausnahmefällen aus dem Haus.

In Polen bleiben die Grenzen bis zum 3. Mai für Ausländer geschlossen. Alle Geschäfte - mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften und Apotheken - bleiben bis 19. April geschlossen, der Schulunterricht, internationale Flüge und Bahnreisen bleiben bis 26. April suspendiert. Ab kommendem Donnerstag müssten die Menschen „ihr Gesicht bedecken, wenn sie sich vor die Tür wagen“, kündigte Gesundheitsminister Lukasz Szumowski an. In Polen sind wie in Deutschland öffentliche Versammlungen auf zwei Personen beschränkt, Restaurants dürfen nur Mitnahme-Service anbieten.

Ungarn verlängert die seit knapp zwei Wochen geltenden Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie auf unbegrenzte Zeit. Die Regierung werde die Aufrechterhaltung der Beschränkungen wöchentlich überprüfen, erklärte Ministerpräsident Viktor Orban am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite. Ohne die Verlängerung hätten die Bestimmungen nur bis zum Samstag gegolten. Demnach dürfen die Menschen ihre Wohnungen nur verlassen, wenn sie einen triftigen Grund haben, etwa Einkäufe oder das Versorgen von Angehörigen. Besuche von Verwandten und Freunden zählen nicht dazu. Spaziergänge und Sport im Freien sind erlaubt, sofern die Menschen untereinander einen Sicherheitsabstand von anderthalb Metern einhalten.

In der Türkei gilt seit dem vergangenen Wochenende eine strikte Ausgangssperre. Seit Sonnabend müssen diese nicht nur ältere, sondern auch junge Menschen einhalten, alle größeren Städte wurden von der Polizei abgeriegelt.

In Deutschland gelten die Ausgangsbeschränkungen zunächst bis zum 19. April. Nach Ostern wird die Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder darüber beraten, ob Deutschland erste Schritte aus der Quarantäne machen kann.