Berlin - Immer wieder diskutiert die Politik über die „Frauenquote“. Dabei macht sie sich um viele Branchen Gedanken, nur um die eigene offenbar nicht. Zwar wird Deutschland von einer Frau regiert, doch das Gros der Minister ist männlich. Von den insgesamt 15 Ministerien werden neun von Männern geführt. Auch bei den Staatssekretären sieht es nicht anders aus. Gerade einmal 19 Frauen bekleiden ein solches Amt. Männer sind in dieser Position hingegen doppelt so viele zu finden. Allerdings gibt es auch Behörden, in denen die Anzahl weiblicher Staatsminister überwiegt, beispielsweise im Kanzleramt oder im Familienministerium.

Kürzlich twitterte das Bundesinnenministerium ein Foto mit Horst Seehofer (CSU) samt seiner Mannschaft. Der Begriff Mannschaft muss wörtlich genommen werden. Denn die führenden Kräfte sind allesamt männlich.

Entsprechend fiel die Empörung im Netz aus. Zahlreiche Nutzer kommentierten das Bild, vor allem die bayerische SPD nutzte die Gelegenheit für bissige Kommentare. Die SPD-Politikerin Verena Schmidt-Völlmecke fragte auf Twitter beispielsweise: “Oh wow, Heimat ganz ohne Frauen? Wollte keine oder hat die ‘Führungsriege’ keinen Platz für eine Frau? Traurige Truppe.” Verbraucher-Staatssekretärin Rita Hagl-Kehl (SPD) schrieb auf Facebook: „Der Beweis - Frauen haben in der CSU scheinbar nichts zu melden!“

Katastrophenschutz statt Inneres

Das Ministerium reagierte prompt auf die Kritik und löschte das Bild wieder. Umgehend wollte das Ministerium offenbar zeigen, dass es sich auch um weibliche Themen kümmern kann und twitterte: „Für noch mehr Frauen-Power im Katastrophenschutz: Das THW lebt von seinen Ehrenamtlichen - jeder kann mitmachen. Von den rund 80.000 Aktiven sind inzwischen mehr als 14 Prozent weiblich und die Zahl steigt weiter.“ 

Das Bundesinnenministerium ist nicht das einzige Ministerium, das ohne weibliche Staatssekretäre auskommt. Auch das Ministerium für Wirtschaft und Energie, das Verkehrsministerium sowie das Landwirtschaftsministerium haben keine Frau als Staatssekretärin benannt. Immerhin steht letzterem mit Julia Klöckner eine Bundesministerin vor.

Die Besetzung der Ministerien im Überblick

Bundeskanzleramt: Im Hause von Angela Merkel (CDU) haben drei Frauen Leitungsfunktionen. Dorothee Bär (CSU) kümmert sich um die Digitalisierung, Annette Widmann-Mauz (CDU) um Migration, Flüchtlinge sowie Integration, und Monika Grütters (CDU) ist für Kultur und Medien zuständig. Hendrik Hoppenstedt (CDU), der einzige männliche Staatsminister im Kanzleramt, hat seinen Schwerpunkt im Bürokratieabbau und den Beziehungen zwischen Bund und Ländern.

Auswärtiges Amt: Michelle Müntefering (SPD) ist Staatsministerin für internationale Kulturpolitik. Ihre vier männlichen Kollegen, ein Staatsminister und zwei Staatssekretäre, kümmern sich dagegen um außenpolitische Themen wie Europa oder die Beziehungen zu den USA und Russland.

Bundesjustizministerium: Unter Ministerin Katarina Barley (SPD) ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ausgeglichen. Zu ihrem Team gehören Rita Hagl-Kehl (SPD) und Christiane Wirtz (parteilos) sowie zwei männliche Staatssekretäre.

Bundesfinanzministerium: Geschlechtergerechte Postenverteilung auch im Hause von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD): Neben Bettina Hagedorn (SPD) und Christine Lambrecht (SPD) sind noch zwei weitere männliche Staatssekretäre in seinem Ministerium zu finden.

Bundesumweltministerium: Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) ist die einzige Staatssekretärin des Ministeriums. Zudem gibt es noch zwei Männer in diesen Funktionen.  

Bundesgesundheitsministerium: Unter Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist Sabine Weiss (CDU) eine von drei Staatssekretären – und die einzige weibliche.

Bundesbildungsministerium:  Cornelia Quennet-Thielen (parteilos) muss sich gegen drei Männer als einzige Staatssekretärin in dem von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) geführten Ministerium durchsetzen.

Bundesministerium für wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung: Mit Maria Flachsbarth (CDU) gibt es auch in diesem Ministerium nur eine weibliche  Staatssekretärin. Neben ihr bekleiden noch zwei Männer dieses Amt.

Bundesfamilienministerium: Umgekehrt sieht es im von Franziska Giffey (SPD) geführten Familienministerium aus. Dort sind mit Caren Marks (SPD) und Juliane Seifert (SPD) zwei Staatssekretärinnen tätig. Sie haben nur einen männlichen Kollegen.

Bundesarbeitsministerium: Ähnlich ist auch das Verhältnis in dem von Hubertus Heil (SPD) geführten Ministerium. Mit Anette Kramme (SPD), Kerstin Griese (SPD) und Leonie Gebers (SPD) sind gleich drei Frauen als Staatssekretärinnen tätig. Männer in dieser Position gibt es nur zwei.