Cornelia Seibeld (CDU).
Foto: Volkmar Otto

BerlinCornelia Seibeld lässt an ihrer Haltung zu einem Paritätsgesetz keinen Zweifel – und liegt damit auf Mehrheitslinie ihrer Partei, der CDU. Einerseits argumentiert die 46-Jährige rein juristisch, Seibeld ist im Hauptberuf Rechtsanwältin. „Das Gesetz ist verfassungswidrig“, sagt sie. „Das wird in letzter Konsequenz auch das Bundesverfassungsgericht so sehen.“ Eine Partei müsse frei entscheiden können, wen sie aufstellt. Andererseits ist Cornelia Seibeld als Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses auch Frontfrau der Berliner CDU. Also lenkt sie den Blick auf die spezifischen Probleme ihrer Partei: Es gebe nicht genug Frauen, die sich aufstellen lassen wollten. Daran habe auch die Initiative der früheren Chefin Monika Grütters nichts geändert, die zu ihrer Zeit den Landesvorstand paritätisch besetzte. Heute sitzen fünf Männer und drei Frauen in dem Gremium.

Für Cornelia Seibeld bedeutet das, „dass wir uns darum kümmern müssen, warum so wenige Frauen in die Politik gehen“, wie sie sagt. Ihre Forderungen dazu verpackt sie in Frageform: Warum muss Politik so familienunfreundlich sein? Warum kann es nicht prinzipiell einen freien Sonntag geben? Warum müssen Vorstandssitzungen vier oder fünf Stunden dauern?

Cornelia Seibeld stellt die Fragen heute aus der Position einer Mutter, die immer wieder damit zu tun hatte, einen Babysitter zu finden, der flexibel genug für ein paar unerwartete Überstunden war. Tatsächlich aber begleitet die gebürtige Berlinerin dieses Thema schon, seit sie 1997 mitten im Jurastudium in die Junge Union eintrat. Der Ortsverein Wannsee ist ihre politische Heimat. Sie erinnert sich noch gut an den Jour fixe: „Jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr in der Kreisgeschäftsstelle in Zehlendorf Mitte – und anschließend ging’s noch auf ein Bier“, erzählt sie. „Schon damals waren nur zwei oder drei Frauen dabei.“

Cornelia Seibeld blieb in der Politik und stieg auf. Als ein Wahlkreis für die Abgeordnetenhauswahl 2006 frei wurde, griff sie zu. Mit Unterstützung ihres Kreisvorsitzenden Michael Braun schlug sie einen männlichen Kandidaten aus dem Feld und zog ins Berliner Landesparlament ein. Bis heute sagt sie, den Sieg verdanke sie eher der Unterstützung des Chefs „als meinen eigenen überragenden Fähigkeiten“. 

Damals war Cornelia Seibeld 32 Jahre alt, Rechtsanwältin mit Spezialisierung auf Bau- und Architekturrecht. Ihre Kandidatur sei „keine bewusste Entscheidung dafür gewesen, die nächste Zeit in der Politik zu verbringen“. Doch der Sog war offenbar groß. Seibeld ließ sich seitdem jedes Mal wiederwählen. Dennoch schreckte sie zurück, als sie 2011 in Nachfolge ihres Mentors Braun möglicherweise das Justizressort im rot-schwarzen Senat hätte übernehmen können. Ihr Sohn, den sie gemeinsam mit dem CDU-Rechtspolitiker Sven Rissmann hat, war noch kein halbes Jahr alt. „Ich habe mich damals bewusst für Kind und Familie entschieden: Ich möchte für mein Kind da sein. Ich will meinen Sohn groß werden sehen“, sagt sie. Bis heute lebe sie damit sehr gut.

Im Beruf hat sie Kompromisse geschlossen: In ihrer Kanzlei kümmere sie sich viel um Organisation und Personalwesen, Prozesse mit auswärtigen Terminen meide sie, sagt sie. In der Politik stellt sie Bedingungen: Drei Abendtermine pro Woche seien die Obergrenze. Und im Dezember nehme sie keine Parteitermine wahr, die nichts mit Advent oder Weihnachten zu tun haben, sagt die Christin, die auch kirchenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist. „Ich möchte die Gelegenheit haben, in dieser Zeit mit und für meinen Sohn Plätzchen zu backen und zu basteln.“