Kristin Brinker (AfD).
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinKristin Brinker empfängt in ihrem Büro im fünften Stock des Abgeordnetenhauses. Es ist klein, drei Stühle passen hinein, eng um den Schreibtisch gruppiert. Ein Einzelbüro sei in Corona-Zeiten ein Glück, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Fraktion.

Brinker ist eine von zwei Frauen in der 22-köpfigen Fraktion, das ist ein Frauenanteil von nicht einmal zehn Prozent. Die anderen Oppositionsparteien schneiden nicht wesentlich besser ab, die AfD aber hat im Abgeordnetenhaus – vor allem unter weiblichen Abgeordneten von SPD, Linke und Grüne – zusätzlich einen extrem schlechten Ruf, unter anderem wegen sexistischer Zwischenrufe im Plenum.

Die Rechtspopulisten kämpfen in erster Front gegen die Paritätsgesetze. In Thüringen haben sie vor dem Landesverfassungsgericht geklagt – und waren erfolgreich. „Wie erhofft und erwartet“, sagt Brinker. Kommt in Berlin ein Paritätsgesetz, will die AfD auch hier vor Gericht ziehen.

Brinker will eine „weichere“ AfD 

Doch Brinkers Verhältnis zum Thema „Frauen in der AfD“ ist komplex. Eine gesetzliche Verpflichtung zu mehr Frauen lehnt sie klar ab, ganz auf Linie der Partei. Das Leistungsprinzip sei entscheidend, findet die promovierte Architektin und gelernte Bankkauffrau. Parteien müssten frei entscheiden können.

Aber auch Brinker will die AfD weiblicher machen, auf jeden Fall „weicher“, wie sie es formuliert. „Ich glaube schon, dass im Außenauftritt der AfD zu oft zu viel Härte ist“, sagt sie. Viele wählten AfD gerade wegen dieser Härte. Brinker glaubt, dass sie ein Heer an Wählern verschreckt. „Frauen spricht das nicht zwingend an und stößt auch andere Wähler ab, die inhaltlich eigentlich mitgehen würden.“ Brinkers Mission: Botschaften „auch mal charmant“ rüberbringen. Sie sagt es nicht explizit, aber ihr Kampf gegen die „Härte und Kühle“ der AfD ist auch ein Synonym für den Kampf einer Konservativen gegen den seit Jahren wachsenden Einfluss des völkischen Flügels in ihrer Partei.

Brinker wurde in Bernburg, Sachsen-Anhalt, geboren. Aufgewachsen als „klassisches Arbeiterkind der DDR“, sagt sie, „wohlbehütet“. Nach ihrem Abitur 1990 macht sie eine Ausbildung bei der Berliner Volksbank. Schon 1992 lernt sie ihren Mann kennen: Günter Brinker, im Jahr 2013 einer der Gründungsväter der Berliner AfD.

Über ihren Mann kam sie in die Politik

Kristin Brinker – inzwischen mit dem Doktortitel in Architektur und jahrelanger Berufserfahrung – arbeitet von Anfang an im Landesverband mit. Sie telefoniert, bucht Räume, pflegt Kontakte. „Ich habe meinem Mann geholfen, habe die Arbeit im Hintergrund erledigt“, sagt sie. Ob es sie nicht gestört habe, dabei in seinem Schatten zu stehen? Nein, sie selbst habe den Job als Ehrenamt machen wollen. „Und ich habe von den Leuten, mit denen ich gearbeitet habe, ja Anerkennung bekommen.“

2016 wird ihr Mann nicht wiedergewählt. Die AfD fragt Kristin Brinker, ob sie kandidieren will. „In Ermangelung sicher auch von geeigneten Frauen, die sich engagieren wollten, denke ich“, sagt Brinker. Sie sei neugierig gewesen und habe erstmals gedacht: Warum eigentlich nicht? Über Listenplatz 6 zieht sie ins Abgeordnetenhaus ein.

Seither betreut sie das zentrale, aber in der AfD eher unbeliebte Ressort Haushalt und Finanzen. Die Machtkämpfe seien hart, der Arbeitsaufwand hoch. Der niedrige Frauenanteil bei der AfD aber habe auch seine Vorteile. „Sicher wird man als Frau mal vorgeschoben“, gibt Brinker unumwunden zu. „Aber das ist dann auch eine Chance für Frauen in Parteien wie der AfD – auch wenn diese Frauen sich selbst nicht als Quotenfrau verstehen.“