Maren Jasper-Winter (FDP).
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin. Seit 2016 sitzt die FDP-Politikerin Maren-Jasper-Winter im Abgeordnetenhaus. Sie ist eine von zwei Frauen ihrer elfköpfigen Fraktion. Das entspricht knapp dem Frauenanteil ihrer Partei insgesamt, 23 Prozent. Den Weg in die Politik fand die Mutter zwei Kinder bereits in der Oberstufe. Daniel Bahr, der ehemalige Gesundheitsminister, lockte sie Mitte der 90er-Jahre zu den Jungen Liberalen, doch den Drang, etwas zu bewirken, hatte sie schon vorher. War Klassensprecherin, Schülersprecherin. Die Mehrheit ihrer Partei lehnt eine Frauenquote ab, ein Paritätsgesetz sowieso. Ein zögerliches „Jein“ ist ihre Antwort auf die Frage, ob sie zu dieser Mehrheit gehört. „Das Thema ist umstritten und emotional besetzt, kein anderes polarisiert so sehr unter den weiblichen Mitgliedern“, erklärt sie. Manche hätten mit einem Austritt gedroht, sollte die Partei eine Quote beschließen, andere, wenn sie nicht kommt.

Mehr Frauen ja, staatliche Vorgaben nein. So die Meinung der Juristin. „Es kann nicht richtig sein, in die Wahlfreiheit einzugreifen. Letztendlich wählen wir Menschen, von denen wir überzeugt sind, dass sie ihre Aufgabe gut machen.“ Die FDP hat sich einem Zielvereinbarungssystem verschrieben, um den weiblichen Mitgliederanteil zu erhöhen.

Bewährungsprobe folgte nach der Geburt

„In der FDP wird man schnell in Positionen gewählt“, sagt Jasper-Winter, „aber danach muss man sich beweisen.“ Als sie 2002 in den Landesvorstand gewählt wurde, gab es seitens einiger Männer doch Skepsis. Die zweite Bewährungsprobe stand für die Bezirksvorsitzende der FDP Mitte 2014 an, als sie in den Wahlkampf ziehen wollte. Sie hatte gerade ihr erstes Kind bekommen. „Da kam schon die Frage auf: ‚Schafft sie das überhaupt, mit einem Kind?‘.“ Jasper-Winter hat es geschafft.

Um mehr Frauen zu fördern, engagiert sie sich als Mentorin in einem Stiftungsprogramm. „Jeder braucht einen Coach, der einem sagt, wie man dahinkommt, wo man hin will, jemand der Ratschläge gibt.“ Aber der Wille müsse von jedem selbst kommen.

In Berlin-Mitte hat sie festgestellt, dass die ostdeutsch sozialisierten Frauen anders ticken als die in ihrer Heimat. „Die Frauen geben mit einer Selbstverständlichkeit ihre Kinder in die Kita.“ Als auch sie ihre Kinder im ersten Lebensjahr in die Kita gab, hätten ihre Freundinnen aus dem Sauerland mit „unbehaglichem Schweigen“ reagiert. Aber sie begegnet bei ostdeutschen Frauen auch einer größeren Skepsis, wenn es darum geht, sich in einer Partei zu engagieren.

Doch vor allem als Mutter kennt sie die hinderlichen Strukturen. So ist die Kommunalpolitik noch männlicher besetzt, denn die wird als Ehrenamt am Abend gemacht. „Für Frauen mit Beruf und Familie ist das eine Dreifachbelastung.“ Videokonferenzen könnten das verbessern. Die Grundlage sieht die FDP-Frau dennoch in einer funktionierenden Kinderbetreuung: „Das ist das A und O. Kita und Schule müssen sich an der Lebensrealität orientieren.“ Wenn die Politikerin auf Abendtermine geht, übernimmt ihr Mann die Betreuung. Damit zeigt sie ein bisher ungelöstes Problem auf: „Als Alleinerziehende wüsste ich nicht, wie das gehen soll.“