„Greta und ich“-Kolumne.

MUTTER: In Belarus sieht man fast nur Frauen. Die drei Anführerinnen und auf der Straße auch. Wie bei Fridays for Future. Da ändert sich was.

TOCHTER: Ja, bei Fridays sind auf jeden Fall hauptsächlich Mädchen dabei.

Aber das heißt doch, dass Frauen ihren Platz in der Gesellschaft lautstark einfordern. Das macht mir Hoffnung, dass irgendwann auch die Debatten darüber aufhören, dass Frauen nicht gleichwertig bezahlt werden und es zu wenig Frauen in Führungspositionen gibt.

Na ja, wenn man sich mal Fotos von der obersten Politikebene anguckt, ist da Angela Merkel zwischen lauter Männern. In der obersten Manager-Ebene sind es auch fast nur Männer.

Ja, aber das ist eine, wenigstens aus deiner Sicht, uralte Generation. Die stehen alle kurz vor der Rente. Ist doch aber in der jüngeren Generation nicht mehr so.

Das System der Älteren bleibt aber bestehen. Der männliche Chef sucht sich gerne einen männlichen Nachfolger. Vielleicht wird es in meiner Generation auch mehr Frauen in Führungspositionen geben, aber Politik und Wirtschaft werden weiter männlich dominiert sein. Einfach, weil Männer ihren Platz nicht aufgeben. Da kann man immer weiter drüber diskutieren. Das wird sich nicht von allein ändern.

Okay, dann müssen eben Frauen auch Netzwerke bilden. Auch, wenn das eine ziemlich undemokratische Form der Machterlangung ist. Aber ich finde, an der Fridays-Bewegung kann man erkennen, dass Frauen sich zu Wort melden und dominieren können, wenn es sie interessiert. Die belarussischen Frauen agieren vollkommen angstfrei. Echt beeindruckend.

Hätte ich auch nicht gedacht, dass Frauen und Mädchen bei Protestbewegungen gerade Mehrheiten bilden. Aber man darf das nicht verwechseln mit den Führungseliten eines Landes. Die sind geprägt von Männern. An den wichtigen Schaltstellen der Macht in Politik und Wirtschaft muss es aber auch einen Ausgleich geben. Wenn es unten anfängt bei Protesten, ist es super, aber es kann nicht dabei bleiben, dass davon oben nichts ankommt.

Ihr müsst halt dran bleiben und für eure Rechte eintreten, wie jetzt für das Klima und euch euren Teil der Macht nehmen. Wie ist das in deiner Schule? Wer engagiert sich?

Schülersprecher sind mehr Mädchen und die diskutieren auch engagierter.

Umso ungerechter wäre es dann, wenn nach der Schule, Jungs, die sich lange um nichts gekümmert haben, einfach vorbeiziehen auf die besseren Positionen.

Ja, klar. Da muss man was machen.

Was denn? Würdest du deinen Platz verlangen oder freiwillig auf Macht verzichten? Solange Frauen sagen, och, ich hab kein Bock auf diese Scharmützel, ich konzentriere mich lieber auf Inhalte, wird sich nichts ändern.

Es gibt aber auch so ein gesellschaftliches Denken, Frauen müssten zwar gebildet sein, aber nicht so großkotzig wie Männer. Ich finde es zwar auch dämlich, aber wenn man was erreichen will, muss man das eben so machen. Kinderkriegen und zu Hause bleiben spielt auch mit rein. Allerdings ändert sich das. Männer interessieren sich für Familie und verzichten in Zukunft vielleicht öfter auf Karriere.

Aber müssen Frauen tatsächlich Männermethoden kopieren und breitbeinig auftreten?

Nö, man kann auch schlau argumentieren und sich nicht einschüchtern lassen. Aber wenn in einer Firma lauter Männer den Thron ergattern wollen, muss man als Frau fieser sein. Sonst wird das nichts.