Roboter saugen oder bringen den Müll weg und an der Supermarktkasse wird der Kunde selbst zum Kassierer. Die Digitalisierung macht es möglich. Im Umfeld der sogenannten Industrie 4.0 entstehen auf der einen Seite hunderttausende hochwertige Arbeitsplätze. Auf der anderen Seite vernichten die Maschinen aber auch Jobs.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifor und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers kommen in einer Studie zu dem Ergebnis, dass allein im Handel bis 2030 etwa 900.000 Jobs der Digitalisierung zum Opfer fallen werden. Angesichts des bevorstehenden „Equal Pay Day“ am 18. März hat sich die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung mit den Genderaspekten der digitalisierten Arbeitswelt beschäftigt.

Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt könnte sich verfestigen

Viele der zum Beispiel im Handel wegfallenden Arbeitsplätze, sind derzeit mit Frauen besetzt. Zu diesem Ergebnis kommen auch eine Studie des Weltwirtschaftsforums. Die Analyse für die USA zeigt: Frauen üben aktuell 57 Prozent der Jobs aus, die in Zukunft durch die Digitalisierung wegfallen werden, zitieren die Forscher der Hans-Böckler-Stiftung.

Der technische Fortschritt schafft aber auch Arbeitsplätze. In der Gesundheitsbranche etwa erwarten die Experten durch den Einsatz von Robotern oder künstlicher Intelligenz einen Zuwachs von 300.000 Stellen bis 2030.

Auch in der Bildung sowie in den sozialen Berufen werden in Zukunft vermehrt Arbeitsplätze geschaffen. Damit entstehen sowohl in männlich dominierten Berufen, wie der Technik, als auch in „typisch“ weiblichen Bereichen, wie den sozialen Berufen, neue Jobs. Dadurch besteht allerdings die Gefahr, dass sich die geschlechtsspezifische Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt weiter festigt, so die Analyse. 

Frauen könnten trotzdem profitieren

Trotzdem könnten gerade Frauen von der Digitalisierung profitieren. Internet, Computer und Smartphones ermöglichen es dem Menschen, zeit- und ortsunabhängig zu arbeiten. Damit ließen sich auch Familie und Beruf besser vereinbaren, wodurch sich der sogenannte „Gender Time Gap“ schließen könnte. Wissenschaftler verstehen darunter die unterschiedlichen Wochenarbeitszeiten von Männern und Frauen. Während Männer im Schnitt 38 Stunden pro Woche arbeiten, sind es bei Frauen nur 30 Stunden. Dies habe weitreichende Folgen, so die Forscher. So seien Frauen deshalb in Führungspositionen unterrepräsentiert, könnten schlechter für das Alter vorsorgen und würden insgesamt weniger verdienen. Die Digitalisierung hat dabei das Potential, diese Ungleichheit der Geschlechter zu beseitigen, so die Studie.

Eine Befragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat ergeben, dass die Digitalisierung bereits kleine Verbesserungen in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bewirkt hat. Etwa ein Viertel der befragten Männer und Frauen gaben an, diese beiden Lebensaufgaben nun besser unter einen Hut zu bekommen.

Arbeitsvolumen könnte sich erhöhen

Neben diesen Chancen sieht die Studie der Hans-Böckler-Stiftung allerdings auch Risiken. Die Flexibilität dürfe nicht dazu führen, dass sich das Arbeitsvolumen erhöhe. Entsprechend muss genügend Personal vorhanden sein, damit sich die Digitalisierung positiv auf die Arbeitnehmer auswirken kann. Ansonsten sehen Forscher die Gefahr, dass sich das selbstorganisierte Arbeiten etwa durch Schlafstörungen negativ auswirkt.

Der DGB-Studie zufolge ist die Arbeitsbelastung für die Hälfte der Befragten jedoch gestiegen. Frauen fühlen sich demnach etwas mehr gefordert, als ihre männlichen Kollegen. Daneben beklagte etwa die Hälfte der Arbeitnehmer, dass die Kontrolle von Seiten des Arbeitgebers zugenommen habe.

Außerdem müsse sich das sogenannte „Homeoffice“ zunächst etablieren, so die Forscher. Aktuell sei die Arbeit von zuhause bei Männern angesehener, als bei Frauen und vor allem leitenden Angestellten vorbehalten. Die Studie sieht jedoch auch Potential für Positionen ohne Führungsverantwortung.

Mobiles Arbeiten hat Grenzen

Das mobile Arbeiten hat branchenabhängig jedoch auch Grenzen. Dass eine Erzieherin ihre Kita-Gruppe nicht vom heimischen Sofa aus betreuen kann, liegt auf der Hand. Doch damit werden gerade Frauen auch in Zukunft nur bedingt von der Digitalisierung profitieren können.

„Der Equal Pay Day“ macht darauf aufmerksam, dass Frauen noch immer weniger als Männer verdienen. Selbst in Führungspositionen gibt es unter den Geschlechtern unterschiedliche Löhne bei gleicher Qualifikation. Laut einer Studie der Internetplattform Stepstone verdienen männliche Fachkräfte mit Promotion beispielsweise im Schnitt 25 Prozent mehr als promovierte Frauen. Die geringsten Lohnunterschiede gibt es demnach in der IT-Branche. Dort liege der Gehaltsunterschied bei zehn Prozent. Den größten sogenannten Gender Pay Gap machte die Untersuchung in der Finanzwelt aus. Dort verdienen Frauen 33 Prozent weniger als Männer. Im Schnitt liegt der unbereinigte Lohnunterschied bei 21 Prozent, wo Faktoren wie Qualifikation oder Position unberücksichtigt bleiben. „Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit – oft auch unfreiwillig. Deshalb ist es gut, dass das Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit jetzt endlich rasch umgesetzt wird“, sagte die neue Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) am Freitag in Berlin.