Berlin - Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry möchte den Begriff „völkisch“ im Sprachgebrauch wieder positiv belegen. Man müsse „daran arbeiten, dass dieser Begriff wieder positiv besetzt ist“, sagte sie der Welt am Sonntag in einem Interview. „Volk mit Rassismus zu konnotieren, halte ich für falsch“, erklärte Petry weiter.

Es würde nicht bei der  Ächtung des Begriffs „völkisch“ bleiben, sondern sich der negative Beigeschmack auch auf das Wort „Volk“ ausdehnen,  sagte sie. „Völkisch“ sei jedoch ein dazugehöriges Attribut.  Petry ist der Meinung, dass man „endlich wieder einen entspannten, nicht unkritischen, also normalen Umgang mit unserer Nation und dem Begriff ‚Volk‘“ wiedererlangen müsse. Sie betonte, dass sie den Begriff selbst zwar nicht nutze, aber ihr missfalle, dass er nur in einem negativen Kontext benutzt werde.

Petry sagte weiter, dass „wir es dringend nötig“ hätten, ein gesundes Verhältnis zu Identität und Volk zu entwickeln, „wie es alle anderen in der Welt auch tun“.

SPD-Außenpolitiker Niels Annen zeigte sich bei Twitter entsetzt über die Äußerungen Petrys. „Das ist kein Spaß mehr: AfD wirbt offen um Rechtsradikale“, schrieb er über den Kurznachrichtendienst. Auch der Grünen-Politiker Konstantin von Notz, äußerte sich: Er sorge sich, was die CSU aus diesen Forderungen Petrys mache, schrieb er bei Twitter.

Der Begriff „völkisch“ kam etwa 1870 im Deutschen Reich und in Österreich/Ungarn als Eindeutschung des Wortes „national“ auf. Ende des 19. Jahrhunderts formierte sich dann die „Völkische Bewegung“, deren Ziel es war, eine ethisch und kulturell homogene Nation zu schaffen – Juden, Slawen und Deutsche ausländischer Abstammung sollten der Rassenideologie folgend, aus dieser Gemeinschaft ausscheiden. Die Bewegung eignete sich den Begriff „völkisch“ an.

Sie war antisemitisch, antiegalitär und antimodernistisch,  lehnte Frauenemanzipation, Demokratie, Parlamentarismus und Republik, Industrialisierung und Urbanisierung und moderne Kunst ab. Stattdessen propagierte sie die Rückkehr zu vermeintlichen, idealisierten deutschen oder germanischen Ur-Zuständen.  1920 erhielt die Nazi-Zeitung der NSDAP den Namen „Völkischer Beobachter“. Bis heute spielt die völkische Strömung im deutschen Rechtsextremismus eine wichtige Rolle.

Die AfD-Politikerin  warnte im Interview mit der Zeitung angesichts der steigenden Zahl von Zuwanderern außerdem vor einem Bürgerkrieg in Deutschland. „Was wir an Verfolgung von beispielsweise christlichen Frauen in unseren Unterkünften erleben, auch an inzwischen alltäglicher Kriminalität von angeblich Schutzsuchenden auf der Straße, das ist untragbar“, sagte Petry. „Je mehr ungebildete und oft aggressive junge männliche Einwanderer aus Nordafrika kommen, desto mehr wird die Lage eskalieren. Wir wollen keinen Bürgerkrieg in Deutschland. Wir sind die Partei des sozialen Friedens.“ Die AfD-Chefin kündigte außerdem an, 2017 in den Bundestag einziehen zu wollen:  „Ich werde zur Bundestagswahl für die sächsische AfD-Landesliste kandidieren.“