Berlin - Ein Pannekopp, das ist so etwas wie ein Mehlauge, ein Spalucke oder Nappsülze. Allerfeinstes Ruhrgebietsschimpfdeutsch. Wer will schon ein Pannekopp sein – oder einen bekommen? Frauke Petry auf jeden Fall nicht. Die AfD-Vorsitzende war am Dienstag mit dem „Pannekopp“ des Ruhrpottkarnevals ausgezeichnet worden, einem echten Anti-Orden, aus Stahlschrott zusammengeschweißt, nicht besonders schön, dafür aber 28,5 Kilo schwer.

Während eines Geierabends war der 41-jährigen Sächsin das Teil nach Publikumsabstimmung zuerkannt worden für eine Bemerkung, die sie über Bergkamen gemacht haben soll, wo sie als Jugendliche eine Zeit lang lebte. Dort in der Nähe Dortmunds, so Petry, soll es schon in den 1990er Jahren rechtsfreie Räume, die berüchtigten No-Go-Areas gegeben haben. Die Bemerkung brachte ihr nun den potthässlichen Stahlklumpen ein: „Petry geht gar nicht! Wo sie erscheint, breitet sich schlagartig eine mobile No-Go-Area aus“, befand die Karnevals-Jury.

Orden muss bis Ostern getragen werden

Petry lehnte ab und erwiderte mit petryschem Furor: „Anders als die lustigen Karnevalisten beim Geierabend haben die Menschen, die in solchen Gebieten leben müssen, überhaupt keinen Spaß an der täglichen Kriminalität vor ihren Haustüren.“ Dann gab sie den Geierabend-Juroren noch Afd-mäßig einen mit: „Klamauk gehört zum Karneval. Wenn Klamauk jedoch die Lebenswirklichkeit der Bürger verhöhnt, verkommt er zur billigen Comedy-Propaganda der Mächtigen.“ Hätte sie ihn angenommen, sie hätte ihn laut Karnevalsverein auf einem menschenleeren Zechenplatz abholen müssen. Auch nicht schön.

Sie hat ihn natürlich nicht abgeholt, das Ding steht noch irgendwo in Dortmund. Andere taten es auch nicht, denn nach den Statuten des Geierabend muss der oder die Anti-Geehrte das Ding bis zum Ende der Fastenzeit um den Hals tragen, was die Nackenmuskulatur eines Wasserbüffels bräuchte. 2009 nahm jemand tatsächlich die rostige Auszeichung an: Der Sozialdemokrat Franz-Josef Drabig, ein Mann mit Ringerfigur, hängte sich das Ding um den Hals, allerdings nur ein paar Augenblicke.
Karneval und AfD – das passt offensichtlich so gut zusammen wie im Fußball Dortmund (Pannekopp 2004 für die kaufmännische Abteilung des BVB) und Schalke (Pannekopp 2014).

AfD bekommt auch in Mainz ihr Fett weg

Auch in Mainz blieb einigen Alternativen bekanntlich das Lachen irgendwo stecken: Der rheinland-pfälzische AfD-Landeschef Uwe Junge hatte die Fernsehfastnacht „Mainz bleibt Mainz“ tief beleidigt und vorzeitig verlassen. Junge und der niedersächsische AfD-Chef Armin-Paul Hampel hätten am Freitag mit dem Sitzungspräsidenten Andreas Schmitt sprechen wollen, so der SWR. Weil die Sitzung live übertragen wurde, seien die Herren gebeten worden, dafür bis zum Ende der dreistündigen Veranstaltung zu warten.

Daraufhin gingen sie lieber. Bis dahin mussten sie auch einiges aushalten: Der Kabarettist Lars Reichow hatte AfD-Bundeschefin Petry eine Kräuterhexe genannt. Und der als „Guddi Gutenberg“ auftretende Hans-Peter Betz befand: „Die AfD ist die Bremsspur in der Unterhose Deutschlands.“