Berlin - Die deutsche Beteiligung am Kriegseinsatz gegen den Islamischen Staat hat begonnen. Die Bundeswehrfregatte „Augsburg“ ist in der Nacht zum Sonntag dem Kommando der Franzosen unterstellt worden. Das Schiff mit rund 220 Soldaten an Bord traf im südöstlichen Mittelmeer ein, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mitteilte. Die „Augsburg“ soll gemeinsam mit weiteren Schiffen aus Belgien, Frankreich und Großbritannien den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ schützen. Der Verband soll in den nächsten Tagen in sein geplantes Einsatzgebiet im Persischen Golf verlegt werden. Frankreich hatte seine Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach den Anschlägen von Paris verstärkt. Dazu dient auch der Flugzeugträger.

Wenige Stunden nach der Verabschiedung des Mandats für den Syrien-Einsatz der Bundeswehr am Freitag hatte sich die Bundeswehrfregatte auf den Weg gemacht.

„Ziel ist es, Isis zu zerstören“

Die „Augsburg“ war am Freitagabend aus dem Hafen der sizilianischen Stadt Augusta ausgelaufen, wo zuvor zwei Hubschrauber an Bord genommen worden waren. Für den Syrien-Einsatz war die Fregatte aus dem EU-Flüchtlingseinsatz „Sophia“ im Mittelmeer herausgelöst worden. Das Syrien-Mandat sieht vor, dass die Bundeswehr unter anderem mit sechs Aufklärungsjets, einem Tankflugzeug und einer Fregatte der internationalen Koalition im Kampf gegen den IS hilft. Direkte deutsche Angriffe sind nicht vorgesehen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und SPD-Chef Sigmar Gabriel halten die Vernichtung der Extremistenmiliz Islamischer Staat für ein zentrales Ziel, um den Syrien-Konflikt zu lösen. „Ziel ist es, Isis zu zerstören“, sagte Stoltenberg der Bild am Sonntag. Das werde Zeit brauchen. Ähnlich äußerte sich Gabriel in der gleichen Zeitung. Auf die Frage, ob man die Miliz vernichten könne, antwortete er: „Ja. Und wir müssen das auch tun.“ Die Gruppe bedrohe mit ihrem Terror die ganze Welt. Im Übrigen sei der Westen daran mit schuld, dass es den IS gebe.

Kritik von Mazyek und Käßmann

Darauf hat auch Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime in Deutschland verwiesen, allerdings den gegenteiligen Schluss gezogen. Er bezeichnete das Entstehen der islamistischen Terrormilizen IS und Al-Kaida als „Ergebnis einer völlig falsch gelaufenen Kriegspolitik“ der USA im Irak. „Wir haben Krieg gesät, und es sind Flüchtlinge und Terror gekommen.“ Der jetzt beschlossene Einsatz sei erneut das falsche Rezept. In der Neuen Osnabrücker Zeitung forderte er stattdessen den Stopp von Waffenlieferungen in das Krisengebiet.

Auch aus der evangelischen Kirche kam Kritik am Kurs der Bundesregierung. „Der Einsatz macht mich fassungslos“, erklärte Margot Käßmann die Reformationsbotschafterin und einstige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die Mehrheit der Deutschen (58 Prozent) glaubt derweil nicht an einen militärischen Sieg über die IS-Miliz. Eine Umfrage des Emnid-Instituts ergab, dass nur 37 Prozent der Befragten der Meinung sind, die Allianz aus den USA, Russland und anderen Staaten könne den IS militärisch besiegen. Gefragt danach, ob sie glaubten, dass der Terrorismus insgesamt mit militärischen Mitteln besiegt werden könne, antworteten nur 28 Prozent mit Ja, 67 Prozent sind anderer Ansicht.