Berlin - Der Mord von Freiburg hat mit Beginn dieser Woche die Bundespolitik erreicht, allen Hinweisen auf Statistiken und allen akademischen Abwägungen zum Trotz. Sollte es sich bestätigen, dass in der badischen Stadt ein 17-jähriger Flüchtling eine Studentin ermordet hat, dann müsse er für die abscheuliche Tat bestraft werden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin – weil die Presse danach gefragt hatte.

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass ein minderjähriger und unbegleitet eingereister Afghane festgenommen wurde, weil er Mitte Oktober eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und ermordet haben soll. „Aber wir dürfen nicht vergessen“, ergänzte Seibert nun, „wir reden von der möglichen Tat eines afghanischen Flüchtlings – nicht von einer ganzen Gruppe von Menschen, die wie er Afghanen oder Flüchtlinge sind.“

Zudem verwies der Sprecher der Kanzlerin auf ein Interview des Vizekanzlers und SPD-Chefs: „So bitter es ist“, hatte Sigmar Gabriel der Bild am Sonntag gesagt, „solche abscheulichen Morde gab es schon, bevor der erste Flüchtling aus Afghanistan oder Syrien zu uns gekommen ist.“
So äußerten sich zahlreiche Spitzenpolitiker, auch Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne), der seit längerem das Sicherheitsgefühl in seiner Stadt beeinträchtigt sieht, mahnte zur Besonnenheit und rief dazu auf, „die Herkunft des Täters nicht für Pauschalurteile heranzuziehen, sondern den Einzelfall zu betrachten“.

Wut im Netz

Doch die Debatte ist längst im Gang. Im Netz kursieren wütende Kommentare – bis hin zum Vorwurf, Merkel habe „Blut an den Händen“. Auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, deutete Ähnliches an: „Dieses und viele andere Opfer würde es nicht geben, wäre unser Land auf die Gefahren vorbereitet gewesen, die mit massenhafter Zuwanderung immer verbunden sind“, sagte er Bild-Zeitung. Und der Bundeschef der AfD, Jörg Meuthen, betonte, die AfD habe stets „vor der ungesteuerten Einreise Hunderttausender junger Männer aus patriarchalisch-islamischen Kulturkreisen“ gewarnt und forderte, dass künftig DNA-Proben nach Ethnie sortiert gespeichert werden müssten. Dass das verfassungswidrig sein dürfte, nannte Meuthen „skandalös“.

Politik und Medien fällt der Umgang mit dem Fall derweil schwer. Statistisch müsse man sich nicht vor Sexualmorden oder Flüchtlingen fürchten, sagt etwa der Direktor des Tübinger Instituts für Kriminologie, Jörg Kinzig: Dass junge Flüchtlinge gewaltbereiter seien, lasse sich aus den Zahlen des Bundeskriminalamtes nicht ableiten. „Die Gewaltkriminalität insgesamt ist zurückgegangen, obwohl so viele Flüchtlinge gekommen sind.“ Mord und Totschlag sinken, ebenso Vergewaltigungen und Nötigungen.

Psychologisch sei die Sache schwieriger, sagt Psychologin Maggie Schauer von der Uni Konstanz: „Diese bekannte Angst der Bevölkerung, jetzt kommen ganz viele junge Männer, die ganz anders sozialisiert sind“, sagte sie, „die wird durch so einen einzelnen Fall ja bestärkt“.