Freiburg - Nach der Festnahme eines 17-Jährigen im Fall der getöteten Freiburger Studentin wird der Ruf nach einer umfassenderen Auswertung von DNA-Spuren lauter.

Bei der Tätersuche in diesem Fall hätte das massiv geholfen, sagte der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger der „Badischen Zeitung”. „Wir hätten wesentlich konzentrierter die Ermittlungen vorantreiben können.”

Bislang darf DNA, die an einem Tatort gefunden wird und wahrscheinlich vom Täter stammt, laut Gesetz nicht auf Merkmale wie Augen-, Haar- oder Hautfarbe analysiert werden, auch wenn sich damit die Suche eingrenzen ließe. Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU) hatte bereits vor der Festnahme mehr Möglichkeiten bei der Auswertung von DNA-Spuren gefordert und eine entsprechende Initiative angekündigt.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zeigte sich offen für eine Diskussion darüber. Losgelöst vom konkreten Einzelfall beobachte sein Ministerium wissenschaftliche Entwicklungen sehr genau und prüfe insofern auch, ob es gesetzgeberischen Handlungsbedarf gebe, teilte er am Dienstag mit. Es sei sinnvoll, das Thema auf der nächsten Justizministerkonferenz zu thematisieren.

Maas wies darauf hin, dass in einem Referentenentwurf für eine Reform der Strafprozessordnung bereits eine Ausweitung der Analysen vorgeschlagen ist. „So soll sichergestellt werden, dass aus dem Abgleich der DNA-Identifizierungsmuster künftig auch solche Erkenntnisse zur Erforschung des Sachverhalts verwertet werden dürfen, die auf ein nahes Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Spurenverursacher und dem Probengeber hindeuten.”

Im Fall der in Freiburg getöteten Studentin sitzt seit Freitag ein 17-Jähriger unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Er soll die 19 Jahre alte Maria L. Mitte Oktober vergewaltigt und getötet haben. Ein markantes Haar und ein DNA-Abgleich führte die Ermittler zu ihm. An dem am Tatort gefundenen 18,5 Zentimeter langen, blondierten Haar konnte DNA sichergestellt werden, die mit DNA an Marias Leiche übereinstimmte. Daher wusste die Polizei, dass sie nach einem Täter mit auffälliger Frisur suchen musste - und wurde über Videoaufnahmen aus einer Straßenbahn fündig. Die Polizei erkannte ihn später, obwohl er bei der Festnahme die Haare teilweise abrasiert hatte.

Die Sonderkommission „Dreisam” - benannt nach dem Flüsschen, an dem die tote Maria L. gefunden worden war - ermittelt auch nach der Festnahme weiter und wertet neue Erkenntnisse aus. Das Alter des verdächtigen Flüchtlings aus Afghanistan gelte als gesichert, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es werde nun jedoch routinemäßig noch einmal überprüft. Es gelte voraussichtlich Jugendstrafrecht.

Durch die Herkunft des Mordverdächtigen wurde wieder die Debatte um die Flüchtlingspolitik befeuert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte vor einer pauschalen Verurteilung aller Flüchtlinge. „Wenn es sich herausstellen sollte, dass es ein afghanischer Flüchtling war, dann ist das absolut zu verurteilen, genauso wie bei jedem anderen Mörder, aber auch ganz deutlich zu benennen. Und dann sage ich, dass damit aber nicht die Ablehnung einer ganzen Gruppe verbunden sein kann, so wie wir auch sonst nicht von einem auf eine ganze Gruppe schließen können”, sagte Merkel am Montagabend in den ARD-„Tagesthemen”.

In den Medien schlug der Fall weitere Wellen. Die ARD-„Tagesthemen” widmeten ihm am Montagabend einen eigenen Beitrag. In der Nachrichtensendung im Ersten erklärte „Tagesthemen”-Moderator Ingo Zamperoni ausführlich, warum zunächst nicht von der Festnahme berichtet worden war.

„Üblicherweise sind Taten wie der Mord in Freiburg, so tragisch sie sind, kein Thema für die „Tagesthemen”. So haben wir in der Redaktion zunächst auch in diesem Fall entschieden”, sagte er und sprach auch die Kritik daran an. „Weder als der Mord Mitte Oktober begangen wurde haben wir berichtet, noch als am Samstag ein mutmaßlicher Täter gefasst wurde, ein 17 Jahre alter afghanischer Flüchtling. Das wird uns seitdem von manchen Zuschauern vorgeworfen.”

Zamperoni erläuterte auch, warum die Redaktion sich nun anders entschieden habe: „Dass wir jetzt darüber berichten, liegt daran, dass der Fall nun eine politische Dimension bekommen hat. Das Opfer wird dabei ebenso von einigen Seiten instrumentalisiert wie der mutmaßliche Täter.” (dpa)