An der Verwaltungskunst des Berliner Senats bestehen berechtigte Zweifel. Aber – Hut ab: Das Impfen läuft prima. Ich bekam meine Einladung am vergangenen Montag, wartete nachmittags eine Minute in der Leitung des Callcenters und schwupp hatte ich meinen Termin für den folgenden Morgen – mit dem Vakzin Astrazeneca. Auf Biontec hätte ich sechs Wochen warten müssen. Das wollte ich angesichts der Dritten Welle, der Mutationen und mit Rücksicht auf meine Mitmenschen nicht.

Im Hangar 4 am Tempelhofer Flugfeld erwarteten mich Dutzende freundlich-direktive türkische und osteuropäische, urdeutsche, arabische, fernöstliche und afrikanische Helfer und Helferinnen. Beeindruckend, wie effizient diese kurzfristig gebildeten Teams kooperieren. So könnte Berlin künftig funktionieren – gutgelaunt, gut gemischt, zum Nutzen aller. Zu Hunderten wurden Impfwillige an diesem Tag durch die verschiedenen Abteile und Boxen der riesigen Halle geschleust, überwiegend ältere Leute, aber auch Erzieher, Lehrerinnen und Polizisten. Unwillkürlich ergriff mich in dem monströsen Faschistenbau das freudige Gefühl, wir alle hier - „Wir sind Berlin“. So hatte sich der Führer das nicht vorgestellt.

Aber, aber, liebe Berlinerinnen und Berliner, unser Stadtvölkchen kann auch ziemlich doof sein, um das Mindeste zu sagen. Nun lesen Sie bitte genau: Bis zum 23. März hatten 630.000 Berliner eine Einladung zur Erstimpfung erhalten, aber nur 363.000 haben diese Einladung angenommen! Fast die Hälfte stellt sich also tot, wartet gleichgültig ab, gefährdet sich, Freunde, Verwandte und Kollegen. Was soll das? Wahrscheinlich sind das oftmals dieselben bestens bekannten Pappenheimer, die tagtäglich zusammen mit der Bildzeitung, dem Spiegel und seit Wochen auch gemeinsam mit Oliver Welke über das Corona-Management der Regierung herziehen und in maßloser, dumpfer Weise gegen Angela Merkel blöken: „Planlos! Ratlos! Mutlos!“

Was kann denn die Regierung dafür, was der Berliner Senat, wenn sich die Leute nicht impfen lassen? Nicht unähnlich sieht es in den Testzentren aus, auch diese sind durchaus nicht überlaufen. Wie soll man ein derart vernageltes Volk regieren, wie auf den Weg solidarischer Pandemiebekämpfung führen? In der Rigaer Straße 94 sitzen nur ein paar rücksichtslose Chaoten, aber im übrigen Berlin hocken sie zu Hunderttausenden.

Angesichts der jetzigen Lage muss der Senat sofort die Hausärzte einschalten. Diese sollen die herumliegenden Impfstoffe frei an ihre Patienten verimpfen und diese ermuntern, die beiden kleinen Pikse zum eigenen und zum Vorteil aller zu akzeptieren. Einen dieser impffaulen Mitbürger kenne ich gut. Er ist kein schwäbischer Globuli-Glaubensbruder, sondern ein bodenständiger Ostler und „argumentiert“ so: „Och – keine Zeit.“ Es handelt sich um  einen grandiosen, noch munter tätigen Tischlermeister im Rentenalter. Verehrter Herr K., ich fordere Sie zum dritten Mal und nunmehr öffentlich auf: Lassen Sie sich sofort impfen!

Im europäischen Vergleich steht Deutschland mit seinen Corona-Maßnahmen noch immer gut da: Das gilt für die Wirtschaft, für die Todeszahlen und den Erfindergeist. Nun überzeugen Sie bitte möglichst viele Ihrer Freunde, Verwandten, Bekannten und Kollegen, dass sie sich testen und impfen lassen und endlich aufhören, die eigene Ignoranz und Wurstigkeit den Regierenden anzukreiden.