Luisa Neubauer beim Klimastreik vor dem Reichstag in diesem Sommer.
Foto: Imago Images

BerlinBis zur letzten Minute kämpft die Tochter mit sich selbst. Es ist Klimastreik und sie, die 17-Jährige, geht nicht hin? Das kann eigentlich nicht sein. Jedes Mal ist die Heranwachsende in den vergangenen eineinhalb Jahren freitags auf der Straße gewesen, wenn „Fridays for Future“ rief. Um für das Klima einzutreten, als Weckruf für die Politik, und um das Thema weiter in der öffentlichen Debatte voranzutreiben.

Jetzt, wo die Bewegung nach langer Corona-Pause endlich wieder zu einer großen Aktion aufruft, schwächelt sie. Soll sie hingehen? Oder sich lieber fernhalten?

Das Thema hat für sie nicht an Bedeutung verloren. Nicht um die kleinste Nuance. Sie ist kämpferisch. Sie wird dranbleiben. Aber jetzt haben wir auch Corona. Sie hat die Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen verfolgt und mit dem Kopf geschüttelt. Sie findet, dass sich solche Leute verantwortungslos verhalten. Sie hat keine Angst vor Ansteckung für sich selbst. Aber dicht an dicht stehen und irgendwas rufen. Sich einhaken, singen, skandieren in der Mitte einer Pandemie? Das geht nicht, findet sie. So lange Corona für Kranke und Tote sorgt, will sie nicht demonstrieren. Andere Formen müssen gefunden werden. Mit diesen Worten geht sie aus dem Haus. Ob sie hingeht, will sie spontan entscheiden.

Es ist toll, zu beobachten, wie ein Teenager politisches Bewusstsein erlangt. Ganz unabhängig von der Frage, ob sie an diesem Freitag nun hingeht zum großen Protest, wie sie sich verhält und welche Position sie am Ende einnimmt. Es ist ermutigend, zu sehen, dass sich hier ein junger Mensch interessiert für seine Umwelt und die ihn umgebende Gesellschaft, für Politik, für eine Zukunft. Das macht Mut.