Am Freitag war von "How dare you?" keine Rede: Luisa Neubauer und Greta Thunberg nach dem Treffen mit der Bundeskanzlerin.
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BerlinSo einfach kann es in der Politik manchmal sein. Die Bundeskanzlerin trifft sich mit Vertreterinnen der Klimaschutzbewegung Fridays for Future zum Gedankenaustausch im Bundeskanzleramt. Wie der Termin zustande gekommen war, hat die Kanzlerin am Vortag selbst erklärt. Es habe einen Wunsch von Luisa Neubauer gegeben, der an sie herangetragen worden sei und dem sie sich nicht habe verschließen wollen, sagte Merkel auf die Frage eines Journalisten.

Bei der Bewegung selbst gab es allerdings auch Ärger deswegen. Einige Ortsgruppen von Fridays for Future beschwerten sich, dass der Termin mit ihnen vorher nicht abgesprochen worden sei und dass sie nur ganz kurz vorher überhaupt davon erfahren hätten. Nach ihrer Meinung seien sie erst gar nicht gefragt worden. Einige Aktive distanzierten sich von dem Auftritt. So schwierig kann es in der Politik manchmal sein.

Es hat den Anschein, als stünde Fridays for Future am Scheideweg. Zumindest einige Protagonistinnen sind mittlerweile so bekannt in der Öffentlichkeit, dass sie sich ziemlich schnell einen Termin bei der Regierungschefin klarmachen können. Die Frage ist allerdings, wem der mehr nützt – der Klimaschutzbewegung oder der Kanzlerin. Merkel habe gesagt, dass sie erwägen wolle, ob sie künftig mutiger in ihren Entscheidungen sei, teilte Greta Thunberg gerne mit. Das klingt wirklich sehr nach Merkel. Greta Thunberg fügte noch hinzu, dass die Kanzlerin nett und freundlich gewesen sei. Der Punkt geht wohl an die Politikerin.

Fridays for Future dagegen muss sich wohl oder übel davon verabschieden, weiterhin nett und freundlich zu sein. Will die Bewegung ernst genommen werden, muss es ihr gelingen konkrete Forderungen zu formulieren und Aktionen umzusetzen, die dem Nachdruck verleihen – und das über allgemeine Ansagen hinaus. Politik kann vor allem sehr mühsam sein.