Aktivisten von Fridays for Future bilden eine Menschenkette um das Rote Rathaus. Ziel der Bewegung ist es auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen.
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BerlinElias Saad, Oscar Galert und Silvan Marczinke gehören am Freitagnachmittag zu den Ersten, die sich am Roten Rathaus einfinden. Zwar diskutieren hier bereits seit Stunden Berliner Senatsmitglieder über den Mietendeckel, doch draußen sind außer ihnen nur noch ein paar Polizisten, die wachen. "Die anderen kommen gleich", versichert der 15-jährige Saad und verweist auf seine Fridays-for-Future-Kollegen, die hier eine Freitags-Demo geplant haben.

Mit einem Fahrrad, auf dessen Anhänger eine große Lautsprecherbox steht, ist Saad morgens in Schöneberg losgestrampelt, Marczinke ist am Westkreuz gestartet. Doch da waren mit ihm nur etwa 60 Leute unterwegs. "Der Ort ist auch nicht so ideal, um dort hinzukommen", sagt er. Dennoch hat der 15-Jährige die Route organisiert und ist trotz der Schulferien früh aufgestanden. Denn wenn die drei vorm Roten Rathaus nicht bei einer Fridays-for-Future-Demo mitlaufen würden, würden sie sich irgendwie schlecht fühlen. "Die Leute zählen hier auf mich, wir wollen ja alle eine schöne Zukunft haben", sagt Galert. Eine Aussage, die sich am Demo-Großtag am Freitag in Berlin häuft.

Fridays For Future und Extinction Rebellion bilden Menschenkette um das Rote Rathaus

Rund 550 Fridays-For-Future-Demonstranten kommen vor dem Roten Rathaus zusammen, die Demonstranten schätzen selbst, dass sie etwa 1000 sind. Sie halten sich an den Händen und bilden eine Kette um das Gebäude. "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", schreien sie.

Sie sind überwiegend jung. Doch auch Eltern und Großeltern sind dabei. Auf einem Kinderwagen klebt ein Zettel mit der Aufschrift: "Ich hab' meine ganze Zukunft noch vor mir!"

Viele der Demonstranten kommen aber auch aus dem Lager der Extinction Rebellion (XR), die seit Anfang der Woche mehrere Proteste in Berlin und weltweit durchgeführt haben. Eine Polizeisprecherin sagt der Deutschen Presse Agentur am Nachmittag, dass sie sich auf den vielen angemeldeten Veranstaltungen vermischen würden.

Neben der Freitags-Demonstration hat XR Veranstaltungen am Brandenburger Tor und am Bundesumweltministerium angesagt. Die Berliner Musikgruppen Bonaparte spielt am letzteren Ort einige Songs live. Die schillernden Plakate der Aktivisten wackeln im Takt. Festivalstimmung - doch nicht für alle:

Erneute Verkehrseinschränkungen in Berlin

Die Verkehrsinformationszentrale twitterte, dass sie bis zum Nachmittag mit Verkehrseinschränkungen im Bereich Regierungsviertel, Ebertstraße, Wilhelmstraße, Leipziger Straße, Potsdamer Platz und Stresemannstraße rechne. Umwege und Wartezeiten sind wieder programmiert. Der Ärger der Verkehrsteilnehmer gewiss.

Doch wer die Kinder am Roten Rathaus hört, die mittlerweile "Hey, Ho, fight for climate justice" singen, kann kaum wütend sein. Die hellen Stimmen wirken oft aufgeregt, wenn sie womöglich wütend klingen wollen.

"Gott, wie peinlich, dass das die Kinder tun müssen", sagt Vera Schilling, Mutter und Mitglied bei Parents-For-Future - sozusagen die Erwachsenenversion von Fridays-For-Future. Schilling meint damit aber nicht den Gesang der Heranwachsenden, sondern dass die Kinder sich für das Klima einsetzen müssen, weil es die Eltern versäumt haben.

Von der Berichterstattung um Klima-Aktivistin Greta Thunberg beeinflusst

Aus Frankfurt am Main ist sie angereist, um für Teilnehmer im Klima-Camp zu kochen. Ihre Familie ist wegen der Arbeit Zuhause geblieben, Schilling hat sich Urlaub genommen. Wie schlimm das mit dem Klima ist, hätte sie selbst erst realisiert, als sie ihrer Tochter erklärt habe, was es mit der Berichterstattung um Klima-Aktivistin Greta Thunberg auf sich hat.

Bei jungen Aktivistis, wie sich Saad, Galert und Marczinke nennen, war es hingegen der Austausch im Freundeskreis. "Wenn Freunde plötzlich keine Zeit mehr haben und du dann erfährst warum", sagt Gallert. "Da will man sich doch dann auch engagieren."

Nicht alle aus ihrer Klasse sehen es so. Die Diskrepanz zwischen, was in der Schule verpassen und mal kurz die Welt retten bleibt. Was sich die Aktivistis aber erhoffen ist, von der Politik und der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden - und das ist ihnen bislang auch gelungen.

Die Protestwoche von XR dauert noch bis Sonntag an. In unserem Newsblog sind alle Neuigkeiten auch zusammen getragen.