In sogenannten taktischen Atomwaffen, die angstbesetzt gerade wieder Thema sind, sah Konrad Adenauer Ende der 50er-Jahre kaum mehr als die Verlängerung der Artillerie. Selbstverständlich, so der christdemokratische Bundeskanzler, können die eben erst gegründeten Streitkräfte der Bundeswehr nicht darauf verzichten. Viele Deutsche sahen das wie ihr betagter Regierungschef, zugleich aber regte sich Widerstand, der in den sogenannten Ostermärschen seinen symbolischen Ausdruck fand. Diese waren keine deutsche Erfindung, etwa zur gleichen Zeit gingen in Großbritannien die War Resisters International auf die Straße, um gegen den drohenden Atomtod zu demonstrieren.

Richteten sich die Ostermarschierer zunächst gegen die Wiederbewaffnung des westdeutschen Staates, so etablierten sie sich in der Folgezeit als pazifistische Stimme, die stets zu Ostern mit Aufmerksamkeit bedacht wurde. Aber selbst während der Blütezeit der Friedensbewegung in den 80er-Jahren vermochten sich die Ostermarschierer nicht von dem Verdacht zu befreien, ideologisch gelenkt zu sein. Das Erscheinungsbild der Friedensbewegung hingegen war grün-spontaneistisch, man tanzte fröhlich zum Lied „Aufstehn“ der niederländischen Band Bots.

Als Teil der demokratischen Folklore sind die Ostermärsche nie verschwunden, politische Relevanz indes konnten sie nie beanspruchen. Umso erstaunlicher ist es, dass deren Organisatoren im Jahre 2022 von verschiedenen Seiten ins Gebet genommen wurden, ein klares Bekenntnis gegen den russischen Angriffskrieg zu artikulieren – was einige der Demonstrierenden wohl unterließen. In Berlin kam es kurioserweise sogar zu einer alternativen Demonstration gegen eine rein pazifistische Botschaft. Frieden schaffen ohne Waffen aber ist derzeit keine Option.