Somalische Helfer tragen Säcke einer Maislieferung des Welternährungsprogramms in ein Lager im Seehafen von Mogadischu. Ein Bild von 2010.
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OsloKeiner der zuvor Genannten ist es geworden. Zu den Favoriten zählten die Klimaaktivistin Greta Thunberg, die Weltgesundheitsorganisation WHO sowie Verbände, die sich für Pressefreiheit einsetzen. Doch das norwegische Nobelkomitee in Oslo hat sich in diesem Jahr entschieden, den weltweiten Kampf gegen die „Bedrohung durch Hunger“ zu ehren. Der Friedensnobelpreis 2020 geht an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, wie das Norwegische Nobelkomitee am Freitag bekannt gab. Der Kampf gegen Hunger hänge eng mit dem Kampf gegen Krieg, Konflikte und die Corona-Pandemie zusammen.

Das Welternährungsprogramm – auf Englisch World Food Programme (WFP) –sei „die weltweit größte humanitäre Organisation zur Bekämpfung des Hungers und zur Förderung der Ernährungssicherheit“, heißt es in der Laudatio des Nobelkomitees. Im Jahr 2019 habe die Organisation fast 100 Millionen Menschen in 88 Ländern unterstützt. Insgesamt seien 135 Millionen Menschen akut von Hunger betroffen gewesen. „Der größte Teil des Anstiegs wurde durch Krieg und bewaffnete Konflikte verursacht.“ Hinzu komme in diesem Jahr die Covid-19-Pandemie.

„In Ländern wie Jemen, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, dem Südsudan und Burkina Faso hat die Kombination aus gewaltsamen Konflikten und Pandemie zu einem dramatischen Anstieg der Zahl der Menschen geführt, die am Rande des Hungers leben“, erklärt das Nobelkomitee. In dieser Krise habe das Welternährungsprogramm eine beeindruckende Fähigkeit bewiesen, seine Bemühungen zu intensivieren. Die Organisation selbst erklärte: „Bis zu dem Tag, an dem wir einen medizinischen Impfstoff haben, ist Ernährung der beste Impfstoff gegen das Chaos.“

Die Gründung des UN-Welternährungsprogramms war 1961 beschlossen worden. Zwei Jahre später nahm es seine Arbeit auf. Sein Hauptquartier liegt in Rom. Von den insgesamt etwa 15.000 Mitarbeitern arbeiten 90 Prozent nach Aussagen der Organisation in den Projektländern. Dafür gibt es weltweit mehr als 70 Länderbüros. Finanziert wird die Organisation vor allem aus freiwilligen Zuwendungen von Geberstaaten, zu denen Deutschland gehört. Auch Geld und Sachspenden von Unternehmen und Privatpersonen spielen eine wichtige Rolle. Kritik gab es dazu allerdings auch bereits. 2013 kritisierte die Initiative Nachrichtenaufklärung die Intransparenz der Vergabe der Gelder des Welternährungsprogramms.

Zu dessen Aktivitäten gehören Schulspeisungsprogramme für etwa 25 Millionen Kinder pro Jahr in 60 Ländern und sogenannte Food-for-Work-Programme, bei denen Menschen Nahrung für Arbeiten erhalten, die der Entwicklung der Länder selbst dienen – etwa durch den Bau von Brunnen und Bewässerungskanälen. Auch die Initiative „Purchase for Progress“ setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe. Mit ihr werden Farmer vor Ort und lokale Märkte gefördert. Über den Humanitären Flugdienst der UN, der ebenfalls von der Organisation betrieben wird, gelangen Hilfsgüter in Krisengebiete. Die Arbeit der Helfer ist oft lebensgefährlich. Nicht wenige wurden bereits überfallen und ermordet.

„Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich sprachlos bin. Das ist unglaublich“, sagte der WFP-Chef David Beasley in einem Video auf seiner Twitter-Seite nach der Verkündung der Ehrung mit dem Friedensnobelpreis. Der Amerikaner ist ein früherer Gouverneur des Staates South Carolina. Er war gerade in Afrika unterwegs. „Wir denken nicht an diejenigen, die wir gerettet haben, wenn wir ins Bett gehen“, sagte er einem Sender. „Wir denken an die, denen wir nicht helfen konnten, wegen Geldmangels oder weil wir sie nicht erreichen konnten.“ Und Berit Reiss-Andersen, die Vorsitzende des Norwegischen Nobelkomitees, erklärte: „Es ist in unseren Augen eine Pflicht aller Staaten der Welt sicherzustellen, dass Menschen nicht verhungern.“

Die Nobelpreise sind in diesem Jahr mit mit zehn Millionen schwedischen Kronen – umgerechnet rund 950.000 Euro – pro Kategorie dotiert. Im vergangenen Jahr hatte Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis erhalten – für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea. (mit dpa)