Köln - Juan Manuel Santos erhält den Friedensnobelpreis. Was für eine großartige Nachricht in einer für Kolumbien äußerst schwierigen Lage! Der Staatspräsident des südamerikanischen Landes hat seit 2012 alles dem Ziel untergeordnet, nach 52 Jahren Bürgerkrieg endlich Frieden für die Kolumbianer zu erreichen.

In fast vier Jahren Verhandlungen mit der linksgerichteten Farc-Guerilla erreichte er ein Friedensabkommen, das dann Ende September in einer großen Zeremonie mit vielen Staatsgästen von beiden Seiten feierlich unterzeichnet wurde.

Santos lässt nicht locker

Eine Woche später dann die totale Ernüchterung: Mit hauchdünner Mehrheit von etwa 50.000 Stimmen lehnten die Kolumbianer den Friedensvertrag am 2. Oktober in einem Referendum ab. 50,2 Prozent für, 49,8 Prozent gegen den Friedensvertrag.

Doch Santos lässt auch jetzt nicht locker. Er werde bis zum Ende seiner Präsidentschaft im Jahr 2018 dafür kämpfen, dass Frieden in seinem Land möglich wird, kündigte er nach seiner Niederlage entschlossen an.

Essenzielle Unterstützung

In diesem Kampf für den Frieden stärkt ihm das norwegische Nobelkomitee mit dem Preis nun den Rücken. Wie überhaupt Norwegen in den vergangenen vier Jahren zu den wichtigsten und beständigsten Begleitern der Friedensgespräche gehört, die auch in der norwegischen Hauptstadt Oslo begannen, bevor sie ins kubanische Havanna verlagert wurden.

Und diese Unterstützung von außen, von Norwegen, von Deutschland, der Europäischen Union und jetzt eben auch mit dem Friedensnobelpreis, einem der schönsten und mächtigsten Symbole, das diese Welt zu bieten hat, ist in den kommenden dreieinhalb Wochen absolut essenziell.

Entscheidende Wochen stehen bevor

Bis Ende Oktober hat Santos den Waffenstillstand verlängert. Auch Farc-Anführer Timoleon Jimenez, alias Timochenko, hat bekräftigt, dass die Guerilleros künftig nur noch mit Worten, nicht mit Waffen kämpfen wollen. Bis Ende Oktober wollen beide Seiten weiter verhandeln.

Ob es Veränderungen des Friedensvertrags insbesondere bei den Strafen für die Guerilleros geben wird, die die Gegner des Friedensvertrages als allzu milde kritisieren, ist aber völlig ungewiss. Auch was nach Ende Oktober passiert, ist offen. Zu befürchten ist das Schlimmste, ein allmähliches Wiederaufflammen der Gewalt in diesem Land, das schon 220.000 Tote und etwa sieben Millionen Binnenvertriebene zu beklagen hat.

In diesen dreieinhalb Wochen entscheidet sich also, ob Santos als strahlender Friedensheld nach Oslo reisen wird, wo ihm der Friedensnobelpreis am 10. Dezember verliehen wird. Oder als bitter gescheiterter Prophet einer Verständigung in seinem Land, die seine eigenen Landsleute nicht wollen.