Die Sicherheitslage im Land ist angespannt. Eine Delegation aus Europa nach der anderen  macht sich gerade in diesen Wochen auf nach Addis Abeba.
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BerlinDer Friedensschluss mit dem Nachbarland Eritrea ist eine seiner größten Leistungen. Gut, dass sie international gewürdigt wird. Der Friedensnobelpreis, den Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed am Dienstag erhält, ist jedoch eine Wette auf die Zukunft. Dem Komitee ging es darum, einem Regierungschef den Rücken zu stärken, der noch mehr Frieden bringen kann. Innerhalb kürzester Zeit hat der 43-Jährige in seinem Land eine Reformdynamik entfacht, die in Afrika ihresgleichen sucht. Äthiopien ist dabei, sich zu einer aufstrebenden Nation zu entwickeln und dabei auch wirtschaftlich Boden gut zu machen.

Man muss das allerdings alles im Verhältnis sehen. Weder ist Äthiopien über Nacht zum Musterland der parlamentarischen Demokratie in Afrika geworden, noch ist plötzlich Wohlstand ausgebrochen, der über den einer kleinen Elite hinausgeht. Allerdings ist Äthiopien auf einem guten Weg. Auch deshalb macht sich gerade in diesen Wochen eine Delegation aus Europa nach der anderen auf nach Addis Abeba.

Die ermutigenden Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit werden jedoch von vielen Fragezeichen begleitet. Der Öffnungskurs von Abiy Ahmed und im Vielvölkerstaat Äthiopien so etwas wie ein übergeordnetes nationales Interesse zu definieren, stoßen auf massive Widerstände in Verwaltung und Parteien.

Die Sicherheitslage im Land ist angespannt. Gut möglich, dass weitere Regionen aufbegehren. Dass inzwischen immer häufiger Parallelen zum auseinandergebrochenen Jugoslawien gezogen werden, liegt nahe. Abiy Ahmed steht vor großen Bewährungsproben.