Die CDU ist in der Führungsfrage gespalten. Merz gilt als Hoffnungsträger für den Teil der Partei, dem der Kurs unter Merkel und Kramp-Karrenbauer zu links ist.
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Sein Name fiel sofort. Kaum hatte Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rückzug vom CDU-Vorsitz angekündigt, da konnte in den sozialen Netzwerken der Eindruck entstehen, als sei er der einzig logische Nachfolger – und der einzig mögliche Kanzlerkandidat: Friedrich Merz, 64, gebürtiger Sauerländer, Anwalt, Hobbypilot und Besitzer von zwei Flugzeugen.

Er hat ja schon ein paar Anläufe gewagt. Im Jahr 2000 brachte er es bis zum Fraktionsvorsitz. 2009 schied Merz aus dem Parlament aus und widmete sich fortan dem Anwaltsgeschäft – und seit 2016 seiner Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender beim Vermögensverwalter Blackrock. Nun könnte seine Stunde gekommen sein.

Auffällig ist seine zurückhaltende Reaktion

Am Montag reagierte Merz zurückhaltend. Doch genau das ist auffällig. Schließlich ist der Politiker nicht gerade für Bescheidenheit bekannt. In den sozialen Netzwerken inszeniert er sich gern als konservativer Retter, der die Partei zu alter Stärke führen kann. Sein letzter Versuch liegt eineinhalb Jahre zurück. 2018 verlor Merz das Duell um den CDU-Vorsitz gegen Annegret Kramp-Karrenbauer – und schien nach nur   kurzem Wundenlecken einen neuen Anlauf vorzubereiten. Dass er Anfang Februar ankündigte, sein Aufsichtsratsmandat bei Blackrock zu beenden, kann man als Teil der Vorbereitung interpretieren.

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Jetzt, wo sich der Wind zu seinen Gunsten drehen könnte, weiß Merz, dass zur Schau gestellte Demut das Gebot der Stunde ist. Denn die CDU ist in der Führungsfrage gespalten. Merz gilt als Hoffnungsträger für den Teil der Partei, dem der Kurs unter Merkel und Kramp-Karrenbauer zu links ist. Die Merkel-Anhänger stehen Merz ablehnend gegenüber. Auch dass sich die rechtskonservative Werteunion in der Vergangenheit für Merz aussprach, macht ihn im Merkel-Lager verdächtig.

Häme im Netz und in der Partei: „Mann von gestern“

In der Öffentlichkeit ist er genauso umstritten. Während ihn die einen als konservativen Erneurer feiern, kritisieren ihn die anderen als rückwärtsgewandt. Spott zog der Millionär auf sich, als er sich in einem Interview mit der Bildzeitung als Angehöriger der oberen Mittelschicht bezeichnete. Mit kritischen Äußerungen gegenüber der „Fridays for Future“-Bewegung brachte er vor allem die jüngere Generation gegen sich auf.

Entsprechend zurückhaltend war man am Montag auch in der Partei. Einige sollen Merz gar als „Mann von gestern“ bezeichnet haben. Und angesichts der Twitter-Aufregung schrieb eine Nutzerin: „Wie oft hat Friedrich #Merz schon gedacht, dass er Parteivorsitzender wird? Genau. Beruhigt euch.“