Berlin - Nun ist mit Showroom in der Modewelt meist ein großer, länglicher Raum mit Laufsteg und Scheinwerfern gemeint. Fast jeder Designer, der etwas auf sich hält, unterhält einen solchen Raum, um dort seine neueste Kollektion den Einkäufern zu präsentieren. Anders als Kretschmer oder Joop möchte die Bundeswehr ihren Besuchern im Showroom aber nicht nur ein neues Outfit für das kommende Frühjahr, sondern eins für einen weitaus längeren Abschnitt andienen. Eine Uniform für die Dauer einer Ausbildung, einiger Dienstjahre oder auch für ein ganzes Leben.

Der Showroom der Bundeswehr befindet sich direkt am Bahnhof Friedrichstraße, einem der belebtesten Orte der Stadt. Hier sollen die Menschen vorbei kommen und sich „ganz unkompliziert und direkt“ über Karrierechancen bei der Bundeswehr informieren können. Einfach hereinspaziert, eine Cola trinken und mit einem Beamten in Uniform ganz locker über eine Ausbildung im Sanitätsdienst oder ein Ingenieurs-Studium quatschen. Ach ja, und natürlich auch über einen möglichen Auslandseinsatz.

Mit der Bezeichnung Showroom sollen junge Leute angesprochen werden. Ausstellungsräumlichkeit klingt so altbacken, modern und dynamisch will die Bundeswehr sein. Doch das Konzept hat auch seine Gegner. „Kein Werben für’s Sterben“ rufen rund zwei Dutzend Demonstranten von der Straße in den Raum hinein, Frau von der Leyen lächelt über den Protest hinweg. Ein Selfie hier, ein aufmunterndes Wort da. Modern und dynamisch eben.  

Da glitzert wenig

Mit einem Showroom aus der glitzernden Modewelt hat der Ort an der Friedrichstraße wenig gemein. 43 Quadratmeter Ladenfläche, Teppichboden, zwei Flachbildschirme an den Wänden. Eine Schaufensterpuppe steht in der Ecke, sie trägt Tarnfarben. Da glitzert gar nichts. Das ganze Projekt sei ein Experiment, sagt Jürgen Klau, Leiter des Showrooms. Da wolle man das Geld der Steuerzahler sorgsam und nicht für Schnickschnack ausgeben. Verständlich, immerhin kostet die Miete für den Laden schon 8000 Euro pro Monat. Doch die exponierte Lage muss sein, schließlich wolle man vor allem Laufkundschaft erreichen.

Wer also demnächst auf Shopping-Tour in Berlin ist und beispielsweise für den Sohnemann eine neue Frühjahrsjacke sucht, kann zwischen dem Besuch bei Kretschmer und Joop auch mal bei der Bundeswehr reinschneien. Dort liegen Tarnfarben und Marineblau voll im Trend – jetzt und wohl auch in zwanzig Jahren noch. Und wenn es gut läuft, gibt es auch gleich einen Ausbildungsplatz für den Junior dazu.