Berlin - Vielleicht hätte man einfach jemanden aus seinem Tempelhofer Wahlkreis nehmen sollen, um Michael Müller als scheidenden SPD-Landesvorsitzenden würdig zu verabschieden. Immerhin haben die Leute dort ihn wieder und wieder ins Abgeordnetenhaus gewählt. Vermutlich hätte jeder, der dort zufällig auf der Straße anzufinden gewesen wäre, mehr Empathie für Müller aufgebracht als Innensenator Andreas Geisel.

Dieser war dazu ausersehen, Müller auf dem digitalen Parteitag der Berliner SPD mit einer launigen Rede zu verabschieden und das obligatorische Willy-Brandt-Bild zu überreichen. Immerhin wurde Müller für zwölfeinhalb Jahre als Parteivorsitzender geehrt. In dieser langen Zeit kann er keinen einzigen bedeutenden oder auch nur persönlichen Moment mit Geisel geteilt haben. „Du bist ein Steher“, war das einzige, was Geisel zur Person des Parteifreundes einfiel, weshalb er es mehrfach wiederholte. Er lobte Müllers Corona-Management mit einem spröden „Du machst das gut.“ Dann referierte er noch mal ein paar Punkte aus Müllers Rede, was sozialdemokratische Politik ausmacht. Wohnungspolitik ist sehr wichtig, Arbeit aber auch und Frieden erst recht. Die wirre Aufzählung endete mit dem verstörenden Satz: „Michael, der Kampf geht weiter.“ Der Satz von Rudi Dutschke am Grab des nach einem Hungerstreik verstorbenen RAF-Terroristen Holger Meins. Dutschke hat natürlich „Holger, der Kampf geht weiter“ gesagt und das hinterher, so heißt es, bereut. Der Regierende überstand den Moment immerhin lebend.

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