Ugaas Ziad, Praktikant bei der Firma „Kühner Wärmetauscher“, arbeitet 2017 in Korntal-Münchingen (Baden-Württemberg) in der Produktion der Firma an einem Wärmetauscher. Ugaas ist Flüchtling und kam aus Somalia nach Deutschland.
Foto: dpa/Christoph Schmidt

Berlin„Wir schaffen das.“ – Im August 2015, auf dem Höhepunkt der Zuwanderungsbewegung nach Deutschland, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren inzwischen berühmten Satz. Fünf Jahre später zeigt sich: Geschafft ist noch nicht alles, aber zumindest die Richtung stimmt. Zu diesem Zwischenfazit kommt ein aus vier Teilstudien bestehender Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Integration von Geflüchteten.

„Die Studien zeigen, dass in vielen Bereichen die Integration von Geflüchteten gut gelungen ist“, sagte C. Katharina Spieß, Ökonomin und Leiterin der Abteilung Bildung und Familie am DIW Berlin und eine der Autorinnen des Berichtes, bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Berlin. Das gelte vor allem für den schulischen Bereich.

Zugang zu Bildung und die Förderung der Teilhabe am Sozialleben und am Arbeitsmarkt sind dem DIW-Bericht zufolge auch die Schlüssel für die erfolgreiche Integration geflüchteter Menschen. Dabei spiele die von Zugewanderten mitgebrachte Bildung eine zentrale Rolle.

Geflüchtete haben niedrigeren Bildungsabschluss

Zwar haben die Geflüchteten gemessen an den Standards der Bundesrepublik oft einen niedrigeren Bildungsabschluss. Betrachtet man die Bildungsabschlüsse aus der Perspektive des Herkunftslandes ergibt sich ein anderes Bild: So zählen 75 Prozent der Syrerinnen und Syrer, die die größte Gruppe unter den Asylsuchenden ausmachen, dem DIW-Bericht zufolge zu der höher gebildeten Bevölkerungshälfte.

Das, so schreiben die Autorinnen der Studie, wirke sich auch positiv auf die Integration im Zielland aus: Zugewanderte, die in der Herkunftsgesellschaft zur gebildeteren Hälfte gehören, lernten schneller Deutsch, seien gesünder und erfolgreicher auf dem Arbeitsmarkt. Inzwischen gehen 43 Prozent der Geflüchteten einer geregelten Beschäftigung nach. Nicht immer haben sich dabei ihre Erwartungen erfüllt: So rechneten 2016 mehr als 60 Prozent der geflüchteten Menschen damit, innerhalb von zwei Jahren eine Arbeit zu finden – tatsächlich gelungen ist es aber nur 32 Prozent von ihnen.

Grafik: BLZ/Hecher; Quelle: IAB-BAMF-SOEP-Befragung, DIW

Geflüchtete Kinder sprechen überwiegend Deutsch

Ein besonderes Augenmerk legt der DIW-Bericht auf die Situation von Kindern und Jugendlichen – und zieht ein positives Fazit: Mehr als 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Fluchthintergrund nutzen das Angebot von Ganztagesangeboten, 52 Prozent sind in Sportvereinen engagiert. Mehr als 80 Prozent fühlen dabei eine enge Verbundenheit mit ihrer Schule – von den 15-Jährigen, die anlässlich der PISA-Studie 2018 befragt wurden, sagten das nur 75 Prozent. Und der DIW-Bericht zeigt auch: Die allermeisten Kinder und Jugendlichen mit Fluchthintergrund sprechen mit ihren Freunden und Freundinnen überwiegend Deutsch. Bei den 12-Jährigen gilt das sogar für 90 Prozent.

Frauenförderung reicht bisher nicht aus

Der Zugang zu Bildung und Freizeitangeboten ist nach Ansicht der DIW-Forscherinnen daher eine der Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Integration. Genauso wie die Förderungen von Frauen: Hier gibt es dem Bericht zufolge noch erheblichen Verbesserungsbedarf. So hätten Frauen in der Regel seltener soziale Kontakte als Männer und gingen auch weniger häufig einer Beschäftigung nach. Nach den Erkenntnissen der Studie liegt das vor allem an immer noch nicht ausreichenden Betreuungsangeboten für Kinder – was zur Folge habe, dass in der Regel die Frauen zu Hause bei den Kindern blieben.

Ein gemischtes Bild zeigt der DIW-Bericht auch bei den Sorgen bezüglich der Zuwanderung: Während die große Besorgnis der einheimischen Bevölkerung angesichts der Fluchtbewegung nach Deutschland in den letzten fünf Jahren immer weiter abgenommen hat, steigt bei den Geflüchteten selbst die Sorge vor Rassismus und Ausländerfeindlichkeit wieder an.