Berlin - Nach dem Dreier-Treffen am Dienstagabend zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), CSU-Chef Horst Seehofer und SPD-Chef Sigmar Gabriel, gibt es eine Einigung auf einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro. Vizekanzler Gabriel sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir geben der Arbeit ihre Würde zurück.“ Kein Arbeitnehmer in Deutschland werde künftig weniger als 8,50 Euro verdienen. „Das betrifft vier Millionen Menschen“, sagte Gabriel, ohne konkrete Details einer Einigung zu nennen. Über die Bezahlung von Praktikanten und Ehrenamtlichen wurde zuletzt noch diskutiert, auch über die Frage, ob der Mindestlohn erst ab 18 Jahren gelten soll.

Mindestlohn zu wenig für Hartz-IV-Empfänger

Allerdings reicht wohl für viele Hartz-IV-Empfänger der Mindestlohn nicht aus: 41 Prozent oder etwa 740 000 der alleinstehenden Hartz-IV-Empfänger bräuchten selbst bei einer Vollzeitbeschäftigung zusätzliche Unterstützung, weil ihre Wohnkosten mehr als 345 Euro monatlich betragen, schreibt die „Passauer Neue Presse“ heute. Sie beruft sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. In Westdeutschland würden 8,50 Euro sogar bei fast 49 Prozent der alleinstehenden Hartz-IV-Empfänger nicht ausreichen, um ohne zusätzliche staatliche Unterstützung auszukommen.

Für Linkspartei sind 8,50 Euro zu niedrig

Die Linksfraktion im Bundestag sieht in den Zahlen den Beleg dafür, dass der Mindestlohn höher als 8,50 Euro liegen muss. In dieser Höhe verfehle er offensichtlich seine Wirkung, sagte Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst der Zeitung. Der Mindestlohn müsse zehn Euro betragen. „Notwendig ist zugleich mindestens eine jährliche Anpassung an die Lohnentwicklung.“

„Ein gerechter Lohn betrifft Würde des Menschen.“

Gabriel betonte, Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) setze nun um, was im Koalitionsvertrag vereinbart worden sei. „Ein gerechter Lohn betrifft die Würde des Menschen. Und diese Würde ist nicht regional und auch nicht nach Branchen teilbar.“ (dpa)