Wenn der Papst Protestanten trifft und etwas reserviert Hände schüttelt, dann macht das den einen Hoffnung. Es gibt aber auch einen Ort, an dem Gott über solche Annäherungsversuche wütend ist.

"Der Ökumenismus ist ein Werk des Teufels", schreibt da ein anonymer Autor am 23. September auf der Seite kreuz.net, gefolgt von Tiraden gegen homosexuelle Priester, die gemeinsam das Abendmahl in einer evangelischen Kirche feiern.

Schwule Priester, und dann auch noch bei der Konkurrenz – für die Macher der katholisch-rechtsextremen Website ist es das vielleicht schlimmste Szenario. "Gomorrhismus" sei das, schimpft der Autor, die Priester schändeten ihre Leiber. Es ist eine Sprache, die mancher aus mittelalterlicher Literatur kennt. Wörter aus einer vergangen geglaubten Zeit, in der man überall Ketzerei vermutete. Eine Ideologie, die alles, was anders ist, als Verrat denunziert.

Das deutsche Strafrecht? "Naziwahn-Ideologie"

Texte wie der über die beiden Priester kommen bei der Leserschaft gut an. 139 Leserkommentare sind aufgelistet, die abwechselnd sich gegenseitig und die Homosexuellen beschimpfen. Missliebige Kommentare werden in der Regel schnell gelöscht; Ganz oben hat es trotzdem ein Beitrag geschafft, stehen zu bleiben. "Wie sie Herr Autor dieses Artikels über Anderen sprechen … ist überhaupt nicht menschlich und christlich! ... Sie sind verrückt!!! verzeihen Sie mir…", schrieb ragazzo30 da.

Abgesehen von den üblichen Beleidigungen erscheinen auf dem Portal auch Beiträge, die unter den Tatbestand der Volksverhetzung fallen. So wurden wiederholt die Thesen von dem Piusbruder Richard Williamsons verteidigt, der den Holocaust leugnet. Im Zweifel erklärt die Redaktion das deutsche Strafrecht einfach zur "Naziwahn-Ideologie." Die Redaktion kann das, weil der deutschen Strafverfolgung die Hände gebunden sind: Die Server stehen in den USA, dort sind die Gesetze weniger streng. Zudem sind im Impressum keine Personen genannt, lediglich der Name eines Vereins. "Sodalicium for 'Religion and Information'", eine Kameradschaft für Religion und Information. Dort steht auch, dass die Seite anonym eingereichte Informationen akzeptiert. Den Schutz von Informanten betrachte man als Ehrensache.

Die Justiz ist machtlos

"Wir haben die Seite im Auge", sagt eine Sprecherin des Verfassungsschutzes, aber bis jetzt waren die deutschen Behörden bei Verstößen machtlos. 2008 mussten sie ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung einstellen, weil sie die Namen der Tatverdächtigen nicht herausfanden.

Der katholischen Kirche ist die ganze Sache peinlich. So peinlich, dass sich sogar der Konservative Kardinal Joachim Meisner im Juni in einem längeren Schreiben klarstellte, er lehne die Seite ab.

Sogar das Vatikan-Radio veröffentlichte kürzlich einen eigenen Beitrag, um klarzustellen, dass man mit der Sache nichts zu tun habe, "Wir distanzieren uns hiermit deutlich von kreuz.net", schreiben sie. "Wir haben mit dieser Seite nichts zu tun und stehen ihr auch in keiner Weise nahe. Dass die (anonymen!) Betreiber der Seite zu uns linken, macht uns ärgerlich, doch leider können wir es nicht verhindern."

Inzwischen wehren sich andere Katholiken mit einem Imitat der Seite, "kreuts.net". Die bekämpft das Original mit seiner eigenen Waffe: Anonymität, falls das gewünscht ist. Ein Theologe namens Dr. David Berger, der zu seinem Namen steht, entlarvt das verbale Draufhauen als "Vulgär-und Stammtischtraditionalismus".

Berger erklärt in seinem Beitrag auch, warum die ungeliebte Seite so gut besucht ist: Weil ihre Leser klatschsüchtig sind. "Die Kommentare unter den Bildern", schreibt er, "erinnern an jene von zwei alten Damen, die ihr Picknick am Rande eines FKK-Strandes aufgebaut haben...die ... jedes Detail mit lustvollem Entsetzen kommentieren."