Berlin - In der Politik können Kleinigkeiten eine große Botschaft enthalten. Ein Motto zum Beispiel oder ein Logo.  Deutschland übernimmt am 1. Dezember für ein Jahr den Vorsitz in der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20). Anfang Juli soll der G20-Gipfel in Hamburg stattfinden. Das Motto der deutschen Präsidentschaft lautet: „Die vernetze Welt gestalten.“ Das Logo des Hamburger Treffens zeigt einen Seemannsknoten – stark und robust, um die Dinge zusammenzuhalten.

Deutschlands Antwort

Zu anderen Zeiten wären solche Details kaum der Rede wert. Jetzt ahnt man: Die Deutschen wollen während ihres G20-Vorsitzes eine Antwort geben auf die weltweiten Tendenzen zu Renationalisierung und Abschottung. In den USA ist mit Donald Trump gerade ein Mann zum Staatschef gewählt worden, der neue Mauern errichten will, vom Klimaschutz nichts hält und den Freihandel als schädlich für sein Land betrachtet. Die Briten glauben an eine bessere Zukunft außerhalb der Europäischen Union. Russland igelt sich nach innen ein und missachtet nach außen das Völkerrecht.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Leute versuchen, im Rahmen der G20 all dem ein Bekenntnis zu multilateraler Zusammenarbeit entgegenzusetzen. „Globales Handeln und zunehmende Integration von Volkswirtschaften und Gesellschaften sind vorteilhaft für die Menschen – diese Botschaft muss besser unterlegt und kommuniziert werden“, heißt es im Umfeld der Bundesregierung. Die Botschaft richtet sich nicht nur an die breite Öffentlichkeit – sondern auch an Akteure wie Donald Trump oder Wladimir Putin, die in Hamburg selbst mit am Tisch sitzen werden.

Längst mehr als Wirtschaft und Finanzen

Die G20 entstanden ursprünglich als Antwort auf die großen Finanzkrisen der vergangenen Jahrzehnte. Die Mitglieder vereinen fast zwei Drittel der Weltbevölkerung und mehr als vier Fünftel der weltweiten Wirtschaftskraft. Neben den USA, Russland, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und der EU gehören dem Forum unter anderem auch Mächte wie China, Indien, Saudi-Arabien, Südafrika und die Türkei an.

Längst geht es nicht mehr allein um Wirtschaft und Finanzen. Sondern auch um zahlreiche andere Themen, die für die Menschheit von zentraler Bedeutung sind.  Dazu zählen der Klimaschutz, die Rolle der Frau, Digitalisierung, Flucht und Migration, Ernährungssicherheit sowie der Kampf gegen Krankheiten und Terrorismus. Der deutsche Vorsitz soll unter der Leitfrage stehen, ob die Vorkehrungen, die die Staatengemeinschaft gegen Krisen getroffen hat, ausreichend sind. Die G20 sind keine Weltregierung. Sie versuchen, ein gemeinsames Problembewusstsein zu entwickeln und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.

Großveranstaltung im Juli

Der Gipfel im Juli dürfte die größte Veranstaltung dieser Art werden, die Deutschland bisher  erlebt hat. Neben den Staats- und Regierungschefs werden 6.000 Delegierte erwartet. Für die Bundesregierung stellt sich bei der inhaltlichen Vorbereitung ein ganz praktisches Problem: Sie weiß bisher nicht, wer auf der Arbeitsebene demnächst in Washington ihre Ansprechpartner sein werden.  Auch in Frankreich zeichnet sich ein Machtwechsel ab. Bisher wissen die Deutschen nur, was sie besprechen wollen. Was sie tatsächlich erreichen können, lässt sich frühestens in einigen Monaten abschätzen.