Washington - Viel Zeit zur Vorbereitung war nicht. Erst musste Donald Trump eine mehrtägige Twitter-Fehde mit zwei Fernsehmoderatoren ausfechten. Dann wollte der Golfschläger auf seinem Anwesen in New Jersey ausführlich bewegt werden. An diesem Mittwoch startet schon die Air Force One zum Staatsbesuch in Polen. Immerhin schaffte es der US-Präsident, vor dem anschließenden G20-Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu telefonieren, auch wenn er deren Namen nicht präsent hatte. „Ich werde mit Deutschland und Frankreich reden“, twitterte er kurz.

So liegt viel Spannung und Ungewissheit in der Luft, wenn Trump am Donnerstag in Hamburg landet. Von der Klimapolitik über die Bankenregulierung bis zum Handel reichen die Reizthemen, bei denen die USA mit den anderen großen Industrie- und Schwellenländern über Kreuz liegt. Und zumindest am Rande des Gipfels dürften auch die zahlreichen brisanten außenpolitischen Fragen vom Bürgerkrieg in Syrien bis zu Nordkoreas Raketentests zur Sprache kommen. An der Grundhaltung Trumps hat sein Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster keinen Zweifel gelassen: „Wir wollen den amerikanischen Wohlstand fördern, amerikanische Interessen verteidigen und die amerikanische Führungsrolle ausfüllen.“

Trump als Störenfried

Trumps Motto lautet also: „Amerika zuerst“. Der US-Präsident dürfte der Störenfried in der Runde sein. Insofern ist es bemerkenswert, dass er dem Telefonat mit Merkel eine zwar knappe, aber doch halbwegs freundliche Erklärung folgen ließ. Man habe intensiv über verschiedene Themen diskutiert, wurden die Meinungsverschiedenheiten darin verklausuliert. Doch dann folgt die Versicherung, Trump freue sich, der Kanzlerin zu helfen, „damit dieser Gipfel ein Erfolg wird“.

Wahrscheinlich schon am Donnerstagabend werden Merkel und der US-Präsident ein Vorgespräch führen. Die Kanzlerin hat in den vergangenen Tagen zudem ihren Chefunterhändler Lars-Hendrik Röller nach Washington geschickt, um das Terrain vorab zu sondieren. Aktuell am brisantesten wirkt  der drohende Handelskrieg mit den USA. Die Regierung in Washington klagt seit langem über das Ungleichgewicht im Warenaustausch mit Deutschland. Nun ist Trump nach Berichten mehrerer US-Medien trotz zahlreicher Mahnungen seiner Kabinettsmitglieder entschlossen, generelle Strafzölle gegen eingeführten Billigstahl und möglicherweise auch andere Produkte zu verhängen. Das würde Deutschland als Exportnation hart treffen.

„Wir wollen den Handel ausweiten, aber auf faire Weise“, hat Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn im Vorfeld erklärt. Dazu gehört für die Regierung in Washington auch die Aufhebung des europäischen Einfuhrverbots für Fleisch von hormonbehandelten Tieren. Bislang stößt dieses Ansinnen  in Brüssel auf Ablehnung. Umgekehrt sind die Europäer besorgt, dass die US-Regierung bei der vereinbarten strengeren Regulierung der Finanzmärkte von der Stange gehen könnte, um den amerikanischen Banken entgegenzukommen.

Beim Klimaschutz wird der Gipfel kaum zu einer Einigung kommen. Trump hat gerade erst mit großem innenpolitischen Getöse das Pariser Klimaschutzabkommen gekündigt. Das sei „ein schlechter Vertrag“ gewesen, sagt Cohn. Allerdings ist die Kündigung des Paragrafenwerks vor allen ein politisch-symbolischer Schritt. Entscheidend ist, welche konkreten amerikanischen Regularien zum Schutz der Umwelt Trump nun abschaffen wird. Er hat bereits angekündigt, Beschränkungen für den Bau neuer Kohlekraftwerke und die Offshore-Förderung von Öl aufzuheben. „Wir haben für nahezu 100 Jahre Erdgas und für mehr als 250 Jahre saubere, schöne Kohle“, verkündete er.

Trump trifft Putin zum ersten Mal

Der politisch für Trump wohl wichtigste Termin aber findet am Rande des G20-Gipfels statt: Zum ersten Mal trifft er den russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Es gibt keine besondere Agenda“, erklärte am Dienstag ein Sprecher des Weißen Hauses. An Themen mangelt es nicht: Sie reichen von der Lage in Syrien und der Ukraine bis zum Kampf gegen den Terror. Dass Trump, wie von den Demokraten in Washington gefordert, auch die russischen Hackerangriffe während des US-Wahlkampfes anspricht, gilt hingegen als wenig wahrscheinlich.

Vor Putin trifft Trump am Mittwoch bereits den polnischen Präsidenten Andrzej Duda, mit dessen Anti-Einwanderungs- und Pro-Kohle-Politik er sehr übereinstimmt. Mit Interesse dürften die Nato-Partner beobachten, ob sich Trump in Warschau zur Beistandsverpflichtung des Bündnisses bekennt, was er bislang vermieden hat. Dass der US-Präsident höhere Verteidigungsausgaben der übrigen Nato-Staaten verlangen wird, haben seine Berater schon angekündigt.