Hamburg - Am Morgen nach der Straßenschlacht stand Andreas Beuth vor einer Kamera des Norddeutschen Rundfunks und ließ sich mit einer bemerkenswerten Aussage vernehmen.

„Wir als Autonome und ich als Sprecher der Autonomen , ja, haben ne gewisse Sympathie für solche Aktionen, aber bitte doch nicht im eigenen Viertel, wo wir wohnen. Also warum nicht irgendwie in Pöseldorf oder Blankenese? Also, da gibt’s auch bei uns großes Unverständnis, dass man im Schanzenviertel die eigenen Geschäfte zerlegt, die Geschäfte, wo wir selbst, weil wir da wohnen, auch einkaufen“, sagte der 64 Jahre alte Mann, der als Anwalt des linksautonomen Zentrums „Rote Flora“ seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Szene ist.

Sturm der Entrüstung in sozialen Netzwerken

Dass Beuth später von „völlig sinnentleerter Gewalt“ sprach, die sich da während des G20-Gipfels entladen haben, half ihm auch nicht mehr wirklich weiter. Ein Sturm der Entrüstung zog in den sozialen Netzwerken auf und brach über dem Mann zusammen, dessen halblange Haare meistens von einer schwarzen Ledermütze mit kleinem Schild verdeckt sind.

Der linke Szene-Anwalt, so die Vorwürfe, habe offenbar kein Problem damit, wenn vermummte Randalierer Autos anzündeten und Geschäfte plünderten, solange das nicht im eigenen Kiez, sondern in den nobleren Vierteln Hamburgs geschehe.

Michael Grosse-Brömer, der Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag in Berlin, schrieb auf Twitter: „Das ist keine Satire, sondern linksautonomes Weltverständnis. Unglaublich.“

Schließung linker Zentren gefordert

Beuth gehört zur Roten Flora, dem seit fast 30 Jahren besetzten Kulturzentrum, wie das Schanzenviertel zu Hamburg. Er hat Aktivisten verteidigt und hat viele Prozesse gewonnen. Seine Aussage vor der Kamera könnte aber nun Folgen haben, die sich Beuth nicht gewünscht haben kann.

Innenpolitiker wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster fordern die Schließung linker Zentren wie der Roten Flora. Noch ist unklar, ob aus dem Wunsch auch Wirklichkeit wird – aber ausgerechnet der Rechtsanwalt Beuth hat der Gegenseite mit seinem Satz ein schlagkräftiges Argument übergeben.