Paris/Berlin - Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat das Verhalten von US-Präsident Donald Trump nach dem G7-Gipfel in Kanada scharf kritisiert. „Mit einem Tweet kann unheimlich viel Vertrauen sehr schnell zerstört werden“, schrieb Maas am Sonntag beim Kurzbotschaftendienst Twitter.

„Umso wichtiger ist es, dass Europa zusammen steht und seine Interessen noch offensiver vertritt“, fügte der Minister hinzu. Ein vereintes Europa sei die Antwort auf Trumps „America First“.

Frankreich appelliert an internationalen Zusammenhalt

Nach dem von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Debakel beim G7-Gipfel in Kanada hat Frankreich die Einhaltung der Regeln für die internationale Zusammenarbeit angemahnt. „Internationale Zusammenarbeit sollte nicht von Wutausbrüchen oder abfälligen Bemerkungen abhängen“, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Elysée-Palastes in Paris.

Trump hatte kurz nach Ende des G7-Gipfels im kanadischen La Malbaie am Samstag eine einvernehmlich von allen Teilnehmern verabschiedete Gipfelerklärung abrupt aufgekündigt und dies mit seinem Ärger über das Verhalten Kanadas begründet. „Wir haben zwei Tage verbracht, um einen Text und Verpflichtungen zu haben“, hieß es in der Erklärung des französischen Präsidialamtes weiter. „Wir halten uns daran, und wer auch immer diesen Absprachen den Rücken zukehrt, zeigt Zusammenhanglosigkeit und Unhaltbarkeit.“

Trumps nachträgliche Aufkündigung der Gipfelerklärung ist ein beispielloser Affront in der mehr als 40-jährigen Geschichte der G7-Staatengruppe. Das Kommuniqué war in mühseligen Verhandlungen erst kurz vor Abschluss des Gipfels fertiggestellt und in seinen handelspolitischen Teilen auch von der US-Delegation mitgetragen worden.

Bundesregierung hält an Abschlusserklärung fest

Der US-Präsident begründete seine Volte damit, dass Kanada weiter Gegenzölle auf die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium plant. Den kanadischen Regierungschef Justin Trudeau griff Trump persönlich an und bezeichnete dessen Verhalten als „sehr unehrlich und schwach“. Auch drohte Trump erneut erneut mit Strafzöllen auf Autos.

Die Bundesregierung hält trotz des Rückziehers von US-Präsident Donald Trump an der Abschlusserklärung des G7-Gipfels in Kanada fest. „Deutschland steht zu dem gemeinsam vereinbarten Kommuniqué“, erklärte ein Regierungssprecher am Sonntag.

China setzt ein Gegengewicht

Mit einem Bekenntnis zum Freihandel und zur internationalen Zusammenarbeit hat Chinas Präsident Xi Jinping auf einem asiatischen Regionalgipfel ein Gegengewicht zum turbulenten G7-Treffen gesetzt. „Wir sollen eigennützige, kurzsichtige und intransparente Politik zurückweisen“, sagte Xi am Sonntag auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in der chinesischen Stadt Qingdao.

Er warnte vor „Unilateralismus, Handelsprotektionismus und Widerstand gegen die Globalisierung.“ Xi sprach sich für die „Fortsetzung der Kooperation zum gegenseitigen Vorteil“ aus. Ohne die USA oder deren Präsidenten Donald Trump ausdrücklich zu nennen, fuhr der Präsident fort: „Wir sollten die Mentalität des Kalten Kriegs und die Konfrontation zwischen den Blöcken zurückweisen und uns gegen die Praxis verwahren, auf Kosten anderer die absolute Sicherheit für sich selbst anzustreben.“

Zur SCO gehören China, Russland, vier frühere Sowjetrepubliken sowie die Neumitglieder Pakistan und Indien. Der Iran hat Beobachterstatus und bemüht sich um eine Vollmitgliedschaft. Anders als der G7-Gipfel in Kanada lief das zweitägige Treffen in Qingdao harmonisch und ohne offenen Streit ab. (afp)