Biarritz - Der Gipfel der sieben großen Industrieländer (G7) in Biarritz geht an diesem Montag zu Ende. Am dritten Tag der Beratungen in dem französischen Seebad kommt Kanzlerin Angela Merkel auch mit US-Präsident Donald Trump zusammen. Außer bilateralen Gesprächen stehen am letzten Tag die Themen Klima und Artenvielfalt auf der Tagesordnung der sieben Staats- und Regierungschefs. Es gibt auch Treffen mit ihren Amtskollegen aus Südafrika, Indien, Australien und Chile, die zusätzlich eingeladen worden waren. 

Merkel von Sarif-Besuch überrascht

Merkel bezeichnete den überraschenden Besuch von Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif am Rande des Gipfels als Beitrag zur Konfliktlösung. Der Besuch sei „ein Parallelereignis am gleichen Ort, aber keine G7-Bewegung“, sagte Merkel am Sonntag am Rande des Gipfels. Man sei sich aber einig, dass jeder Versuch einer Deeskalation in dem Atomkonflikt mit dem Iran wertvoll sei. Zugleich musste die Kanzlerin einräumen, dass auch sie am Sonntagnachmittag von dem Besuch des iranischen Außenministers überrascht wurde.

Auf die Frage, ob sie selbst vorab vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron über den Besuch Sarifs informiert worden sei, sagte Merkel: „Ich habe mich gut informiert gefühlt. Zeitnah.“ Sie könne aber nicht genau sagen, ob dies zu einem Zeitpunkt gewesen sei, als es schon Berichte über eine Landung von Sarifs Flugzeug in Biarritz gegeben habe. Es gebe eine Reihe von G7-Teilnehmern, die dauernd direkte Gespräche mit dem Iran führten, etwa auch Japan. „Dass das heute sofort seine Fortsetzung findet, war nicht abzusehen gestern Abend. Ich wusste es jedenfalls nicht.“

Sie selbst habe keine Pläne, Sarif zu treffen, sagte Merkel. Deutschland arbeite bei dem Iran-Thema aber gut mit Frankreich und Großbritannien zusammen. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian hatte Sarif eingeladen und wollte ihn am Sonntagabend treffen. Dann wurde am späteren Abend aber bekannt, dass auch Macron selbst Sarif getroffen hat. Sarif wollte Biarritz danach wieder verlassen. Der Iran-Konflikt ist eines der Hauptthemen des Gipfels. Die USA sehen im Iran einen Feind.

Hilfe gegen die Waldbrände in Brasilien

Weitgehende Einigkeit zeigten die G7-Staaten angesichts des Flammen-Infernos im Amazonas-Gebiet. Die Industrieländer wollten sich weiter abstimmen, um den betroffenen Ländern rasch zu helfen, sagte Macron. Es gehe um „technische und finanzielle Mittel“ und Hilfe bei der Aufforstung. „Es folgt ein langes Engagement“, sagte auch die Kanzlerin. „Die Lunge unserer gesamten Erde ist betroffen und deshalb müssen wir hier auch gemeinsame Lösungen finden.“

Im brasilianischen Amazonasgebiet wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren, aber auch andere Länder wie Bolivien, Paraguay und Französisch-Guayana sind betroffen. Der Gastgeber des Gipfels hatte die Waldbrände wegen der Bedeutung des Amazonasgebiets für den Klimawandel spontan auf die Tagesordnung gehoben.

Dagegen hatte sich der rechtspopulistische Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gegen eine Einmischung gewehrt. Umweltschützer werfen ihm vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem Brandrodungen geduldet werden. Die Europäer erhöhten den Druck auf ihn, indem das grundsätzlich vereinbarte Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten infrage gestellt wurde.  (dpa)