Garmisch-Partenkirchen - Das idyllische bayrische Städtchen Garmisch-Partenkirchen ist seit Tagen kein Ort, um Urlaub zu machen. Wegen des G7-Gipfels im nah gelegenen Schloss Elmau bestimmen Polizisten das Bild. „Das ist richtig und wichtig“, sagt Saskia Trapp. Die Einheimische findet jedoch, dass alles im Verhältnis zueinander stehen müsse. Die Präsenz der Polizei sei einfach Wahnsinn und koste den Steuerzahler viel zu viel Geld, so die 33-Jährige. Mit dieser Ansicht steht sie nicht allein da. Auf Transparenten und Plakaten liest man ähnliches. „Alles zusammen gerechnet, veranstaltet Frau Merkel das teuerste Kaffeekränzchen der Welt“, sagt Jürgen Haase augenzwinkernd. Seit 30 Jahren geht er auf Demonstrationen, das Polizei-Aufgebot und das ganze Drumherum stehen in keiner Relation zueinander.

Etwa 3.600 Demonstranten sind am Sonnabend in Garmisch-Partenkirchen, um gegen das Treffen der G7-Länder zu protestieren. Bei über 30 Grad Celsius stehen ihnen einige Tausend Polizisten entgegen. Als der Demonstrationszug in einem Wohngebiet umdrehen soll, kippt die bisherige friedliche Stimmung. Polizisten und Demonstranten provozieren sich, es kommt zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen und dem Einsatz von Pfefferspray.

Raimund Nowack ist als Notarzt an diesem Sonnabend im Demonstrationszug unterwegs und hat viel zu tun. Wegen des Einsatzes von Pfefferspray müssen einige Menschen in ein Krankenhaus. Sieben Menschen hat er bis 18 Uhr verarztet. Darunter Knochenbrüche und ausgeschlagene Zähne von Tritten und Schlägen. „Die Polizisten haben uns mit den Verletzen kaum durchgelassen – es war schwierig sie von den Menschen hier zu trennen“, sagt er. Die Beamten würden seiner Ansicht nach kaum Rücksicht auf die Teilnehmer nehmen. Die Demonstration bewertet er zudem als „gefährlich“, denn die Straßen seien viel zu eng und die Menschen werden von den Beamten immer wieder zurück zu den anderen gedrängt. „Diese Polizeipräsenz braucht man hier eigentlich nicht, denn die meisten Menschen hier sind friedlich“, sagt Nowack.

Stefan Fränkel von der niedersächsischen Polizei ist als „Konfliktmanager“ unterwegs. An einer Kreuzung verteilt er unter anderem kostenlos Wasser an die Demonstranten. Mit vielen ist er ins Gespräch gekommen, denn in diesen Tagen prallen viele Meinungen in Garmisch-Partenkirchen aufeinander. „Die Einwohner müssen eine Menge hinnehmen und derzeit mit vielen Einschränkungen leben“, sagt er. Dass sie immer noch freundlich zu den vielen Polizisten sind, freut ihn, denn wer miteinander redet, kann Probleme aus der Welt schaffen.