Berlin - Mit einigem Aufwand ist es jedes Jahr verbunden, wenn sich die Staats- und Regierungschefs der G7 treffen - so wie am Freitag und Samstag in Taormina auf Sizilien. Ursprünglich waren die Gipfel als informelle Zusammenkunft gedacht, bei der ohne Tagesordnung und Beschlusszwang mal über dies und jenes geredet werden kann und vor allem persönliche Beziehungen abseits des Protokolls geknüpft werden sollten. „Wichtig ist, dass man sich austauscht“, heißt es in der Bundesregierung. Mittlerweile ist die Inszenierung zentraler Bestandteil und natürlich gibt es auch schriftliche Erklärungen. Die wimmeln vor Zielen und Absichten, die oft furchtbar allgemein scheinen, aber dennoch in tage- und nächtelangen Sitzungen ausgehandelt werden müssen.

Die Show

Zu jedem G7-Gipfel gehört etwas Show. Angela Merkel hat die Spitzenpolitiker schon in große Strandkörbe gesetzt (2007 in Heiilgendamm) oder vor eine dramatische Bergkulisse gestellt (2015 in Elmau). Im vergangenen Jahr besuchten die G7-Spitzen in Japan gemeinsam einen Shinto-Schrein und pflanzten Bäumchen. Dieses Mal findet das Gruppenfoto im Antiken Theater statt, wo auch Gladiatorenkämpfe stattfanden. Der Vulkan Ätna, der erst vor wenigen Monaten zuletzt ausgebrochen ist, ist auch nicht weit.

Neue, Alte, Ausgeschlossene

Vier der sieben Teilnehmer sind zum ersten Mal dabei: Großbritanniens Premierministerin Theresa May, Frankreichs Präsident Emanuel Macron, Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni, der gleichzeitig Gastgeber ist - und natürlich US-Präsident Donald Trump. Der hat bei seinem Antrittsbesuch bei der Nato mit wenig diplomatischem Auftreten von sich reden gemacht. Auch bei G7 gilt er als unberechenbarster Partner. Kanadas Premier Justin Trudeau ist nicht mehr ganz neu, Japans Ministerpräsident Shinzo Abe schon oft dabei gewesen. G7-Veteranin ist Angela Merkel. Auch dabei sind EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Russland bleibt wegen des Ukraine-Konflikts ausgeschlossen, die G7 werden fürs erste nicht wieder zur G8. May reist wegen des Manchester-Anschlags nur für den ersten Tag an. Dadurch wird Joachim Sauer wohl doch wieder der einzige Mann im Ehepartner-Programm sein, das früher Damenprogramm hieß.

Klima

Mit dem Klima untereinander wird es so eine Sache sein. Mit dem Weltklima erst recht. Vor zwei Jahren verkündete Merkel nach dem Gipfel in Elmau stolz, man habe sich auf darauf geeinigt, kohlenstoffhaltigen Energieträger wie Kohle die rote Karte zu zeigen - Dekarbonisierung war das Stichwort. Wenige Monate später wurde in Paris gefeiert, weil sich die Staatengemeinschaft geeinigt hatte, den weltweiten Temperaturanstieg auf unter zwei Grad zu begrenzen - was eine massive Reduzierung der Kohlendioxid-Ausstiegs voraussetzt. Trump hält den Klimawandel für ein Märchen. Der Papst, den Trump vor wenigen Tagen besuchte, hat ihm seine Umweltenzyklika mitgegeben. Die Bundesregierung setzt auf einen anderen Köder: Merkel will die Bedeutung des Erneuerbare-Energien-Sektors für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze betonen. 

Flüchtlinge

Gastgeberland Italien hat das Thema ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt. Schließlich ist es für viele Flüchtlinge die erste Anlaufstation in Europa. Mit Bedacht hatte der frühere Ministerpräsident Matteo Renzi daher auch Sizilien als Tagungsort gewählt - die Insel liegt nah an Libyen, wer übers Mittelmeer kommt, landet oft hier. Laut Unicef sind in diesem Jahr allein 200 Kinder auf dieser Route gestorben. Auch am Samstag in einer knapp zweistündigen Sitzung mit mehreren afrikanischen Staaten, den so genannten Outreach-Partnern, wird das Thema eine Rolle spielen. Flucht hat Ursachen - und das sind oft Kriege, Hunger oder Armut. Oft hängt alles miteinander zusammen, und auch ein anderes Thema spielt hier wieder mit herein: Der Klimawandel macht die Lebensbedingungen vielerorts noch schwerer als sie ohnehin schon sind. Mit am Tisch sitzen dieses Jahr Vertreter von Tunesien, Äthiopien, Nigeria, Niger, Kenia, sowie - als Vorsitzland der Afrikanischen Union - Guinea.

Handel

Ein Grundsatzkonflikt um Freihhandel und Schutzvorschriften, der durch Trump neu angeheizt wurde. Auch der deutsche Exportüberschuss, den viele Länder kritisieren, könnte eine Rolle spielen. Merkel hat dazu neulich bemerkt, sie könne nun mal niemanden verpflichten, einen (französischen) Renault statt eines (deutschen) VW zu kaufen. 

Proteste

Mehrere Tausend Demonstranten werden erwartet. Die Gegend um Taormina ist schon seit Tagen streng abgeriegelt. Die Proteste dürfen nur im einige Kilometer entfernten Giardini-Naxos stattfinden, wo auch das Pressezentrum ist. Italien hat eine unrühmliche Gipfelgeschichte: In Genua kam beim G8-Gipfel im Jahr 2001 ein Demonstrant ums Leben.