Taormina - Minuten zu spät, Donald Trump kommt um Minuten zu spät. „Wo bleibt er?“ fragen sie schon im italienischen Fernsehen, das die G7-Gipfel-Zeremonien live überträgt. Und das kann man noch öfters fragen an diesem ersten Gipfeltag, der den Eindruck macht, er solle eher G6 plus Trump heißen. Oder G6 gegen Trump.

Sechs Staats- und Regierungschef sind schon angekommen im Antiken Theater in Taormina. Gladiatorenkämpfe haben hier früher stattgefunden. An diesem Tag ist es mit seinem Blick aufs Meer und Berge Kulisse für das traditionelle Gruppenfoto der Zusammenkunft. Aber erstmal müssen alle da sein. Italiens Premierminister Paolo Gentiloni hat also Angela Merkel empfangen und seine Kollegen aus Japan, Großbritannien, Kanada empfangen und den französischen Präsidenten Emanuel Macron. Es hat viele Umarmungen und Wangenküsse gegeben, es war locker und herzlich.

Donald Trump lässt auf sich warten

Der US-Präsident fehlt, und er ist noch nicht mal im Sicht. Im italienischen Fernsehen vertreiben sie sich die Warteminuten damit, die Ausstattung von Trumps Hotel zu beschreiben. Seine Suite dort habe eine besonders große Wellness-Wanne, erfährt man so. 

Und dann kommt er doch, eine Autokolonne fährt so weit es geht in den engen Straßen der Stadt, die an einem steilen Hügel liegt. Auf dem roten Teppich entfaltet Gentiloni seine verschränkte Armen. Keine Umarmung diesmal, nur ein Handschlag. Im Gehen klopft Trump dem Italiener auf die Schulter. 

Schnell das Foto, wenn man den offiziellen Namen Familienfoto ernst nimmt, ist es eine sehr distanzierte Familie, die da steht. Den US-Präsidenten haben sie mittig platziert, wie man es macht mit wichtigen Leuten oder solchen die sich wichtig fühlen sollen. Dann geht es zu einem Spaziergang durch die Stadt, diesmal alle zusammen. Fast alle. Es flanieren gemeinsam Matarella und Theresa May aus Großbritannien, Shinzo Abe aus Japan, Emanuel Macron aus Frankreich und die zwei Vertreter der EU, Donald Tusk und Jeand-Claude Juncker. Angela Merkel mittendrin und meist ganz vorne, im knallblauen Jackett gut erkennbar. Europablau könnte man sagen.

Nicht dabei ist bei dem Spaziergang: Donald Trump. Irgendwie hat er den Abmarsch aus dem Antiken Theater verpasst, seine Entourage ist um ihn, aber trotzdem sieht er ein wenig einsam aus. Mit seiner Ehefrau Melania steigt er in einen kleinen offenen Elektrozug, Touristen werden sonst oft in solchen Gefährten herumgefahren. Jetzt eben die Trumps. 

Angela Merkel will bei Donald Trump durch Wirtschaftspolitik punkten

Nachdem dann noch die italienische Luftwaffe die Farben des Gastgeberlandes in die Luft gemalt hat, ist Schluss mit dem Flanieren und Posieren. Flüchtlings- und Klimapolitik sollen beraten werden in einem ehemaligen Kloster, das nun ein Luxushotel ist. Eigentlich sind die G7-Gipfel einmal als informelle Zusammenkünfte entstanden, bei denen ohne Tagesordnung und Beschlusszwang mal über dies und jenes geredet werden konnte und vor allem persönliche Beziehungen abseits des Protokolls geknüpft werden sollten. So soll es immer noch ein bisschen sein. Aber nebenbei wird gerungen, um Formulierungen für gemeinsame Statements, die oft sehr allgemein klingen, aber bei denen es manchmal tagelang um Worte geht. Diesmal ist es so, dass selbst Standardtextbausteine der vergangenen Jahre in Frage stehen. Der Grund: Trump. 

Von einer „sehr konstruktiven, sehr ehrlichen Atmosphäre“ spricht die Bundeskanzlerin nach den ersten Runden am frühen Freitagabend. Man hat sich geeinigt darauf, Terroranschläge zu verurteilen. Das ist nun nicht besonders überraschend. Man hat sich nicht geeinigt auf Formulierungen zur Handelspolitik und bei der Klimapolitik ist man auch nicht weitergekommen. Die US-Regierung wolle sich beim Thema Handel nochmal ein paar Zahlen anschauen, sagt Merkel und es wird klar, dass sie das auch für dringend nötig hält. 

Und bei einem Präsidenten, der den Klimawandel für ein Märchen hält, scheint es schon ein Erfolg zu sein, dass sich die USA noch nicht festgelegt hat, aus dem Pariser Klimaschutzauskommen auszusteigen, das erst vor anderthalb Jahren geschlossen wurde. Alle anderen Staatsvertreter hätten ihre Argumente für das Abkommen vorgebracht, sagt Merkel. „Ich würde nicht von Frontstellung sprechen.“ Aber man kann wohl schon sagen: Alle haben auf Trump eingeredet.

Die Kanzlerin hat sich darauf verlegt, statt mit Umwelt- mit der Wirtschaftspolitik zu argumentieren: Erneuerbare Energien schafften auch Arbeitsplätze, hat sie Trump erklärt. Sie hat sich auch nochmal alleine mit ihm zusammengesetzt. Der will sich die Sache angeblich nochmal überlegen.