Sansa, Khaleesi, Tyrion – seit einiger Zeit fallen dem Namensforscher Knud Bielefeld aus Ahrensburg bei Hamburg ungewöhnliche Vornamen wie diese auf. Viele Eltern, so ergaben seine Untersuchungen, lassen sich von der Erfolgsserie „Game of Thrones“ inspirieren, wenn sie Namen für den Nachwuchs suchen.

Herr Bielefeld, heißt bald jedes zweite Mädchen in Deutschland Daenerys wie die Herrscherin aus der Serie?

Damit ist wirklich nicht zu rechnen. Selbst  den Namen Emma, der 2018 der beliebteste Name war, tragen  nur 2,01 Prozent aller Mädchen. Die Namen aus „Game of Thrones“ kommen viel seltener vor und sind weit von jeder Top-Ten-Liste entfernt.

Welcher ist denn der häufigste Name aus der Serie, den Eltern wählen?

Ein Favorit ist Jon – ohne H, also wie der Serienheld Jon Snow. Den habe ich seit 2006 immerhin 365 Mal als ersten oder zweiten Vornamen in meiner Datenbank gefunden, die sich auf 610 verschiedene Quellen bundesweit stützt, hauptsächlich Geburtskliniken und Standesämter. Der Vorname von Jons Mitstreiterin Arya wurde 250 Mal vergeben.

Wie gefallen Ihnen solche Namen?

Das Interessante ist ja, dass fast alle  Namen Neuschöpfungen sind, die eigens für das Buch oder die Serie kreiert wurden. Trotzdem ähneln sie etablierten Namen  und wirken nicht total abgedreht. Arya oder Sansa, das  klingt doch recht normal. Anders wäre das  zum Beispiel bei „Star Wars“-Figuren. Ich meine, Chewbacca  würde sich nicht so gut machen in unserem Namensgefüge.

Dennoch weiß jeder sofort,  dieses Kind ist nach „Game of Thrones“ benannt.

Bei Namen wie Daenerys, der sechs Mal in den deutschen Geburtsurkunden auftaucht, stimmt das auf jeden Fall.  Ich kann nur sagen, wenn ich eine Tochter hätte, würde ich Daenerys nicht als Namen wählen. Aber viele Eltern suchen bewusst nach Namen aus ihrer Lieblingsserie oder ihrem Lieblingsfilm und   lassen sich davon inspirieren.  Zudem sind die Standesämter in Deutschland viel toleranter geworden, was ungewöhnliche Kindernamen angeht.

Gibt es  Eltern, die besonders empfänglich sind für Serien- und Filmnamen?

Es sind besonders sehr junge Eltern, die solche Namen wählen.  Denen bedeutet die Popkultur  mehr als Eltern in den Dreißigern. „Game of Thrones“ ist ja nicht das einzige Beispiel. Seit Shakira 2013 ihren ersten Sohn Milan nannte, wird dieser Name auch hierzulande immer beliebter.