Im Licht der jüngsten Umtriebe des Rappers Bushido mag sich so mancher fragen, wie eine solche Musik derart erfolgreich werden konnte. Bushidos Gangsta-Rap besteht aus meist stumpfen, harten Beats, zu denen er oder noch insulärer begabte Kumpels offenbar frei assoziierten Unrat auf der Basis von TV-Schund und Minimalwortschatz dahersprechen. Das muss nicht sein: Denn so drastisch die Grundbausteine des Genres erscheinen, so vielfältig, eloquent und kunstvoll stellen sich die Ghettoerzählungen dar, wenn sie von Könnern wie Schooly D und Ice-T, Ice Cube und Snoop Dogg, Notorious BIG und Tupac, 50 Cent und Jay-Z gerappt werden.

Ein derber Sozialrealismus prägte die HipHop-Reime schon, seit 1981 Grandmaster Flash vom Stress auf den scherbenübersäten, vollurinierten Straßen New Yorks reimte. Die Gangsta nutzten seit Ende der Achtziger diesen Drall für zunehmend wildere dokufiktionale Epen aus den Ghettos vor allem New Yorks und Los Angeles’. Während die Conscious-Schule gegen das deprimierende Elend der Reaganomics, den strukturellen Rassismus und die Chancenlosigkeit auf Solidarität, Bildung und Selbstbewusstsein setzte, erfanden sich die Gangsta als coole, entschlossene Manager der Ghettoökonomie, in deren Raps die Grenzen zwischen erlebter und überlieferter Realität kunstvoll verschwammen.

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